US-Bestseller-Autor Don Winslow setzt auf Obama
Braunschweig Beim Braunschweiger Krimifestival sprach sich der Thriller-Experte Don Winslow für den amtierenden Präsidenten und die Legalisierung von Drogen aus.
In der Braunschweiger Landessparkasse Dankwardstraße dreht es sich Montagabend um Drogen. Don Winslow, ein drahtiger, gepflegter 59-Jähriger, betritt federnd das Podium. Der Stern des kalifornischen Krimiautoren ist relativ spät aufgegangen in den USA, aber nun strahlt er mächtig, auch nach Europa hinüber. Oliver Stones Verfilmung seines Romans „Savages“ (Zeit des Zorns) über ein Trio junger kalifornischer Dealer lief bis vor kurzem auch in unseren Kinos.
Der Saal in Braunschweig ist gut gefüllt. Für Winslow spricht ja auch Dietmar Wunder. Die deutsche Stimme James Bonds liest Passagen aus Winslows jüngstem Roman „Kings of Cool“, der die Vorgeschichte von „Savages“ erzählt.
Bekannt wurde Winslow vor einigen Jahren mit dem mächtigen 700-Seiten-Roman „Tage der Toten“ über den absurd blutigen, schmutzigen Drogenkrieg in Mexiko. Ein düsteres, hartes Epos, aufwendig recherchiert. Sechs Jahre habe er bis 2005 daran gearbeitet, berichtet Winslow in Braunschweig. „Ich war am Ende wirklich ein wenig depressiv. In dieser Zeit brannte bei einem Großfeuer auch noch ein Drittel meiner Stadt nieder, so dass ich beim Schreiben schwarze Trümmer vor Augen hatte.“
Danach habe er etwas Leichteres schreiben und mit den Formen des Genres Krimi experimentieren wollen, erzählt der Mann aus dem südkalifornischen Julian Moderatorin Regula Venske. So sind die Kapitel von „Savages“ und „Kings of Cool“ teils extrem kurz, die Darstellungsformen wechseln, Szenen werden drehbuchartig aufgerollt.
Dietmar Wunder liest einige Passagen in diesem bestechend coolen, lakonischen Erzählton, der abgebrühten hard-boiled (um nicht zu sagen T.C.-Boyled) Stories aus den Staaten zusätzlichen Reiz verleiht.
Auch diese Romane handeln von Drogen. Und von ihrer jüngeren Geschichte in den USA, seit den 60er Jahren. Mehr als 25 Milliarden Euro investierten die USA jährlich in den den „war on drugs“, den 1972 ausgerufenen Drogenkrieg. Winslow trocken: „Drogen sind heute wirksamer, günstiger, verbreiteter und profitabler denn je. Man kann nicht wirklich sagen, der Krieg sei erfolgreich.“ Wie das Problem lösen?, fragt Regula Venske. „Legalisieren. Und die Geschäftsgrundlage der kriminellen Kartelle, der Schmuggel, bricht weg“, sagt Winslow. „Konsumenten gab und gibt es immer. Und Situationen, die keine gute Lösung ermöglichen. Dann sollte man das kleinste Übel wählen. „
Wie die Präsidentenwahl in der Nacht auf Mittwoch ausgehen werde? „Oh, ich bin froh, dass ich eine Lesung in Hannover habe und abgelenkt bin“, seufzt der Thriller-Experte. Er sei schon angespannt. Aber er hoffe und sei im Grunde auch sicher, dass Obama es schaffen werde. Schon aus familiären Gründen. Sein Sohn Thomas, 23, sei ein glühender Unterstützer des Präsidenten und arbeite in dessen Wahlkampf-Zentrale in Chicago. „Die erste Obama-Wahl vor vier Jahren war eine der besten Nächte meines Lebens“, sagt Winslow.

