Die Schmelztigel-Jazzer
Wolfsburg Die Jazz-Band „Mocambo“ – Italienischer Swing bei den Movimentos-Festwochen in Wolfsburg
Kein Geringerer als Heinrich Heine schwärmte von der nur politisch zu verstehenden Fähigkeit der Italiener, durch Musik die Gefühle ihres Herzens kundzugeben. Und von jenen Melodien, die von grotesker Lebenstrunkenheit zu elegischer Weichheit herabgleiten.
Die Band Mocambo Swing stammt nun aber aus dem Friaul, jenem Landstrich im Nordosten Italiens, der mal von den Franken, dann von den Venetianern besetzt wurde, dann von Österreichern und auch Franzosen. Dazu kommen deutsche Einflüsse – und vor allem die unmittelbare Nähe des Balkans. Im Süden das Mittelmeer, im Rücken die Alpen – welche Mixtur aus geografischen, politisch-historischen und kulturellen Wirrnissen. Das kann an der Musik, die man dort spielt, nicht spurlos vorbei gehen.
Mocambo Swing nennen ihren Stil Gypsy Jazz. Sie eröffneten am Wochenende eine sechsteilige Konzertreihe, mit der das Movimentos-Festival in diesem Jahr an 50 Jahre Geschichte italienischer Gastarbeiter in Wolfsburg erinnert. Die Gruppe trat erstmals außerhalb Italiens auf, wirkte aber keinesfalls unerfahren in der Repräsentation ihrer Musik, wie sich schnell zeigte.
Aber war ihre Musik Gypsy Jazz? Hinsichtlich der Rhythmusarbeit ja. Im Wesentlichen wurde sie von den beiden Gitarristen Matteo Sgobino – auch Sänger der Band – und Alan Malusà Magno mit der typischen Anschlagstechnik und den gebrochenen Akkorden geleistet. Das gab der Musik das Treibende, erweckte den Eindruck schnellen Swings. Lebhaft wurden sie dabei vom Kontrabassisten Alessandro Turchet unterstützt, der in seinen Soli eine erstaunliche Fingerfertigkeit bewies.
Eine ganz eigene Färbung erhielt die Musik von Mocambo Swing jedoch durch die beiden Bläser Francesco Socal, Klarinette und Bassclarinette, sowie Flavio Davanzo an der Trompete. Beide umschmeichelten die Gesangsmelodien, rhythmisierten, kommentierten ironisch oder scherzhaft, lieferten interessante Kontrapunkte, dass es eine Freude war.
So präsentierte die Band in ihren Kompositionen eine ganz eigene Melange aus Swing, Klezmer, Manouche und italienischer Singer-Songwriter-Tradition. Friaul-Jazz-Swing vielleicht? Egal, beim Publikum im Zeithaus der Autostadt löste sie mediterrane Entspanntheit und Freude aus.

