Der geile Zwerg
Braunschweig Die Schriftstellerin Karen Duve las in Braunschweig eigenwillige Märchen-Neufassunge naus ihrem Buch „Grrrimm“
Sieben kleine Kraftkerle und eine wunderschöne junge Frau allein in einem Haus im Wald...? Auch Zwerge sind doch Männer?
Was bei den Brüdern Grimm ein mörderischer Zickenkrieg ist zwischen zwei Weibern, von denen die eine der anderen ihre Schönheit nicht gönnt, gerät in der Neufassung der Schriftstellerin Karen Duve zum lüsternen Annäherungsversuch eines der sieben Herren Zwerge.
Die blondmähnige Autorin, die zuletzt als Taxifahrerin und werdende Vegetarierin literarisch reüssierte, las in der Braunschweiger Buchhandlung Graff ihre eigenwilligen Neufassungen der berühmtesten deutschen Märchen. Dass dem Unternehmen ein gewisser Furor eigen ist, deutet schon der Titel ihres neuen Buches an: „Grrrimm“.
Der geile Zwerg allerdings kommt nicht zum Zug, das Schneewittchen interessiert sich schlagartig nicht mehr für die Zwerge, als der Prinz auftaucht. Die Ehe geht schief, die Prinzessin sinkt von einem Gatten zum nächsten. So ist das eben mit überhastet geschlossenen Ehen, wenn das Märchen zu Ende ist.
Das „Rotkäppchen“ gerät der Duve zu einer genüsslich ins Hanebüchene getriebenen Horror-Vampir-Werwolf-Groteske. Das macht durchaus Spaß. Die Autorin wechselt gekonnt die Perspektiven, füllt Freiräume für Fantasie, welche die Grimms in ihrer knappen Diktion offen lassen, schreibt gewohnt schnoddrig.
Allein: was soll’s? Modernisierte Neufassungen von Märchen sind nicht neu, auch die Aufdeckung sexueller Subtexte nicht. Auf die Frage eines Zuhörers nach dem, was sie intendiert habe mit dem Buch, wich Karen Duve ins Grundsätzliche aus. Da liegt aber die Crux. Sie hat sich einen Spaß gemacht. Aber wozu?

