Das Leiden der alten Bücher
Wolfenbüttel „Auch Bücher altern“ – In der Herzog-August-Bibliothek informiert eine Ausstellung über die Gefährdung historischer Bände und deren Restaurierung
Silberfischchen, Holzwürmer und Mäuse sind bildungshungrige Wesen.Sie fressen sich mehr oder minder rabiat durch ganze Bibliotheksbestände. Die Schäden, die sie im kostbaren alten Buchbestand anrichten, sind ab Sonntag in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel zu sehen. In einer Reihe von Vitrinen haben die Restauratorin des Hauses, Almuth Corbach, und ihr Team eine Ausstellung mit dem Titel „Auch Bücher altern“ zusammengestellt.
Alte Bücher haben viele Feinde. Nicht nur allerlei Getier, sondern auch Feuchtigkeit und Staub, der zum Nährboden wird für Insekten- und Schimmelbefall. Vernichtend wirkt auch der der sogenannte Tintenfraß, eine chemische Reaktion, ausgelöst durch das Eisensalz in alter Tinte, welche das Papier marode macht, bis es völlig zerbröselt.
Hauptschuldiger an den Leiden der Bücher aber ist – der Mensch. Almuth Corbach führt vor, wie Buchrücken einreißen, wenn sie allzu oft aus dem Regal genommen werden, wie sie brechen, wenn sie grob aufgeschlagen werden.
Bei der Restaurierung freilich wird nicht gefälscht. So wie der ehemalige Bibliotheksdirektor Erhard Kästner würde heute laut Almuth Corbach niemand mehr vorgehen. Der ließ nämlich die alten, brüchigen Buchrücken durch edle Einbände aus rotbraunem Ziegenleder ersetzen.
Thema im Untergeschoss der Augusteerhalle ist, wie Bücher untersucht und repariert werden. Aufgebaut sind unter anderem ein Mikroskop, eine Schraubenzwinge zur Restaurierung hölzerner Buchdeckel, ein Klima-Gerät. Wie ja überhaupt laut Almuth Corbach das richtige Klima der entscheidende Faktor bei der Bestandserhaltung von Bibliotheken ist: 18 bis 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit.


