Buchtipps von Florian Balle
Braunschweig Auf der Terrasse sitzen mit einem guten Buch und einer Erfrischung ...
Am Malangenfjord
Livs Mitschüler ertrank. Nun beobachtet sie, wie die scheue Maia mit seinem Zwillingsbruder anbändelt. Bald stirbt er auf die gleiche Weise. Ein Zufall? Von ihrer Mutter, der berühmten Malerin Angelika Rossdal, erwartet Liv keine Hilfe. Sie mimt vor Journalisten gerne die unnahbare Einsiedlerin, die das „besondere Licht“ nach Norwegen zog. Unterdessen erzählt der alte Kyrre Opdahl Mythen von einem elfengleichen Wesen, das Männer betört und in den Selbstmord treibt. Liv weiß ganz sicher, dass es diese „Huldra“ nicht gibt. – Doch plötzlich verschwindet auch noch der Gast aus Opdahls Ferienhütte, ein einsamer Schriftsteller, im eisigen Wasser des Malangenfjords.
Der renommierte schottische Autor John Burnside wagt sich in seinen neuen Roman „In hellen Sommernächten“ bis an den Polarkreis vor. Er erzählt mit versteckter, tiefgründiger Spannung, die nie ins seichte Wasser einer Kriminalgeschichte abdriftet. Der Roman behandelt die Subjektivität von Wahrnehmung, die tastenden Versuche der Protagonistin, in dieser unwirklichen Umgebung einer erschreckenden Wahrheit ins Gesicht zu blicken.
John Burnside: „In hellen Sommernächten“, Albrecht-Knaus-Verlag, 19,99 Euro.
Lückenlos recherchiert
Eva Zieburas Biografie erläutert den Familienkonflikt zwischen dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm von Preußen und seinen Söhnen umfassend und detailreich. Der grobschlächtige Friedrich Wilhelm hatte Preußens Strukturen grundlegend reformiert und sah durch den Thronfolger sein Vermächtnis bedroht.
Nüchterne Erklärungen, etwa für die Intrigen des Wiener Kaiserhauses, stehen der Biografie besser als psychologisierende Passagen, die Einblick in das Unbewusste einer gesamten Dynastie geben wollen. So wagt dieses gut recherchierte Panoramabild auch eine emotionale Begründung dafür, was den „Ersten Diener seines Volkes“ später zu den schlesischen Angriffskriegen gegen Österreich gebracht haben mag.
Eva Ziebura: „Kein Mitleid mit den Söhnen. Friedrich der Große und seine Brüder im Schatten ihres Vaters“, Stapp-Verlag, 8,50 Euro.
Unterhaltsam geschnattert
Der Gänsekrimi „Mord im Tiefflug“ von Karin Bergrath überfliegt im unterhaltsamen Plauderton die Ermittlungen des Gänserichs Tom, der seinen menschlichen Kollegen Hump heimlich verfolgt. Tom klärt den Mord an der Küste im Vorbeisegeln auf, während Hump schließlich seekrank vom Jachtschiff humpelt. Die Reißbrett-Handlung um den Gänserich hätte eleganter verknüpft werden können. Und leider bläht Geschnatter dieses charmante Geschichtchen zu einem 300-Scheiben-Schinken auf.
Karin Berggrath: „Mord im Tiefflug. Ein Gänsekrimi“, Scherz-Verlag, 18,99 Euro.
