Buchtipps von Beate Hornack
Braunschweig Glücklicherweise gibt es Urlaub. Zeit zum Lesen, Lesen, Lesen ...
Wehrhafte Geschichte
Was tun, wenn man in die Lage versetzt wird, in das Jahr 1958 zu reisen und damit Geschichte zu verändern. Für den Highschool-Lehrer Jake Epping ist es klar: Er würde eine Familientragödie eines seiner Schüler verhindern und den Mord an John F. Kennedy. Er macht sich auf die Reise. Geschichte zu verändern ist aber nicht leicht, sie wehrt sich, will sich nicht einfach von ihrem Weg abbringen lassen. Und jede kleinste Veränderung, die Jake in der Vergangenheit bewirkt, hat Konsequenzen für die Zukunft. Bestechendes Gedankenspiel!
Stephen King: Der Anschlag. Heyne, 26,99 Euro.
Frausein im 19. Jahrhundert
Warum einen Roman lesen, der 1847 erschienen ist? Ein Buch zudem, das ein altertümliches Frauenbild vermittelt, das wir längst überwunden haben? Zumindest glauben wir das. Pfarrerstochter Agnes Grey dient als Gouvernante in vornehmen Familien, lebt gottergeben mit der Erniedrigung, die ihr zuteilwird. Sie hat zwar die Verantwortung für die lieben Kleinen, aber keine Macht. Und für die meisten ihrer Herrschaften ist sie auch nicht anwesend – Dienerin, nicht Mensch. Was sagt uns das heute? Lesen und drüber nachdenken!
Anne Brontë: Agnes Grey. dtv, 8,90 Euro.
Erst kommt das Fressen
„Warum ist für Weiße immer alles so ungleich viel schlimmer?!“, fragt die Kenianerin und UN-Mitarbeiterin Frida. Das ist die Frage, die diesen Krimi durchzieht. Was ist passiert? Eine EU-Delegation, die sich in Kenia zur Beratung ihrer Flüchtlingspolitik aufhält, wird entführt. Unter ihnen Thomas, Ex-Ehemann und Wieder-Lebensgefährte der Reporterin Annika Bengtzon. Natürlich tut Annika alles, um ihm zu helfen. Und natürlich steht nicht nur ihre Zeitung Schlange, um Exklusivrechte an dieser Geschichte zu erwerben. Ein Krimi, der sich um die Abschottung Europas gegenüber vor allem afrikanischen Flüchtlingen rankt und um die ethisch-moralischen Grenzen oder Grenzen(losigkeit) der Presse!
Liza Marklund: Weißer Tod. Ullstein, 19,99 Euro.
Blick ins Innerste
Was ist Glück, was ein erfülltes Leben? Was, wenn man eine falsche Entscheidung trifft – für den Rest seines Lebens. Schonungslos offen gewährt Zeruya Shalev Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelten von Chemda, der Mutter, die dem Ende des Lebens entgegensieht, und ihren beiden Kindern Avner und Dina. Dina, die sich von ihrer Mutter immer zu wenig geliebt fühlte, und Avner, der von seiner Mutter verhätschelt wurde und dennoch das Gefühl hat, die Liebe und auch seinen Vater versäumt zu haben. „Wir haben Umwege gesucht, um das Gefühl der Nähe zu haben“, sagt eine von Avner gesuchte Zufallsbegegnung.
Zeruya Shalev: Für den Rest des Lebens. Berlin-Verlag,22,90 Euro.


