Buchtipps von Beate Hornack
Braunschweig Und noch einmal: Bücher über starke Frauen.
Selbständige Frau und Malerin
Hand aufs Herz, haben Sie schon mal etwas von Elisabeth Vigée-Lebrun gehört? Nicht? Die Vigée, wie sie sich nannte, war eine der bedeutendsten Porträtmalerinnen des 18./19. Jahrhunderts. Sie hat zum Beispiel Marie Antoinette gemalt. Deshalb musste sie Frankreich nach der Revolution verlassen. Italien, Österreich, Russland und Deutschland waren die Stationen ihrer Flucht. Erst nach zwölf Jahren konnte sie nach Frankreich zurückkehren. Zeit ihres Lebens war sie auf Unabhängigkeit bedacht und konnte von ihrer Malerei gut leben. Teils idealisierend, dennoch lesenswert.
Renate Feyl: Lichter setzen über grellem Grund. Kiepenheuer & Witsch, 19,99 Euro.
Keine Liebe mehr übrig
Mila, Helena und Angèle, Großmutter, Mutter und Tochter, untrennbar miteinander verbunden, und doch wissen sie wenig voneinander. Im Unsichtbaren bleibt ein Mann, der Helenas Leben verändert hat. Wer war dieser Mann? Was ist passiert, dass Helena schweigend alle Schuld an einem Überfall auf sich nimmt und ins Gefängnis geht? Dort bringt sie Angèle zur Welt: „Unbemerkte Schwangerschaft. Seelenblindheit“, steht in den Gefängnisakten zu dieser Geburt. Angèle macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche, nach ihrer Mutter und ihrem Vater, der Helena geschrieben hat: „Liebe ist oft nicht mehr als ein schöner Unfall.“ Bedrückend schön.
Judith Perrignon: Kümmernisse. Wagenbach, 8,90 Euro.
Kabale und Liebe
Cordoba/Andalusien im 11. Jahrhundert: Die beste Zeit der Omayaden ist vorbei, die Hochkultur der Nachkommen Mohammeds. Nachfolger Al Mansur hat die Berber ins Reich geholt, um seine Macht zu stabilisieren, notfalls mit Gewalt. Einzig Valada ist noch übrig aus dem Stamm der Omayaden. Aber sie ist eine Frau, in der Thronfolge nicht vorgesehen. Sie lebt unbehelligt in ihrem Palast, umgibt sich mit Künstlerinnen und Künstlern, liebt Frauen, Männer und die Poesie. Alles ändert sich, als sie den berühmten Dichter Ibn Zaydun nach Granada schickt, um den letzten männlichen Omayaden zu finden.
Waldtraut Lewin: Valadas versinkende Gärten. dtv, 9,95 Euro.
Moderne Frauen
Eine Doppelbiografie: Marlene Dietrich, geboren 1901, und Leni Riefenstahl, geboren 1902. Beide wollen zum Film, beide nutzen die Freiheit der Weimarer Republik, ihr Ziel zu erreichen. Dietrich erweist sich dabei als weitaus skrupulöser als Riefenstahl, die nicht davor zurückschreckte, sich von den Nazis einbinden zu lassen. Ihre berühmtesten Filme hat sie für Hitler gemacht. Dietrich hingegen geht schon 1930 in die USA, nachdem sie mit Josef von Sternberg „Der blaue Engel“ gedreht hat, der sie berühmt machte. Detailreiche Porträts.
Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl. Der Traum von der neuen Frau. Hanser, 27,90 Euro.

