Alter Junge
Braunschweig Der Schriftsteller Sten Nadolny las in Braunschweig aus seinem neuen Roman „Wilhelm Weitlings Sommerfrische“
Als Junge, so erzählt ein entspannt schmunzelnder Sten Nadolny bei seiner Lesung in der Braunschweiger Buchhandlung Graff, wollte er Bankdirektor werden. Denn er habe mit einem seriösen Beruf die Schriftstellerei seiner Eltern subventionieren wollen. Nun ist er selber einer. So kann’s gehen.
Aber wie kommt’s? Warum wird einer, was er ist? Darum geht es in seinem neuen Roman „Weitlings Sommerfrische“. Der Ich-Erzähler, ein pensionierter Richter, gerät nach einem Segel-Unfall als Geist in den Körper seiner selbst – im Alter von 16.
Eine schwierige Konstruktion – eben weil es so überdeutlich eine Konstruktion ist. Nun, was der Autor, der sich einst mit der „Entdeckung der Langsamkeit“ in die Literaturgeschichte schrieb, mit seiner sonor-sanften Stimme vortrug, machte schon Lust auf diese merkwürdig gedoppelte Jugend am Chiemsee, in der sich laut Nadolny viel Autobiografisches spiegelt.
Das muss man natürlich noch mal nachlesen. Wie die Frau des Autors. Die, so erklärte er, wolle immer die frischen Passagen aus seinen Büchern selber lesen statt vorgelesen bekommen. Grund: „Du liest so gut, da merkt man die Schwächen gar nicht.“ Nadolny schmunzelnd ins Publikum: „Das ist Ihnen wahrscheinlich heute auch so gegangen.“



