900 Seiten über 1 Dorf
Braunschweig Die Autoren Jan Brandt und Jan Peter Bremer bekamen in Braunschweig den niedersächsischen Literaturpreis
„Beinahe zwanghaft habe ich niedersächsische Ortsnamen in mein Buch eingefügt. Ich habe also quasi auf diesen Preis hingeschrieben.“ Augenzwinkernd bekannte Jan Brandt, dass er auf den Nicolas-Born-Debütpreis gehofft hat. „Auch Braunschweig kommt in dem Roman vor!“ Die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Johanna Wanka, verlieh ihm die Auszeichnung des Landes im Braunschweiger Altstadtrathaus.
Über sieben Jahre lang hat Brandt an seinem ersten Roman „Gegen die Welt“ gearbeitet. Die Ernte fiel entsprechend üppig aus: Der 900 Seiten starke Roman umspannt knapp 30 Lebensjahre von Daniel Kuper und bildet den Mikrokosmos des fiktiven ostfriesischen Dorfes „Jericho“ nach. „Das Dorf als Sozialgefüge hat mich fasziniert. Oft ist es eine große Erziehungsanstalt.“
Held Daniel begehrt gegen die abgestumpfte Dorfbevölkerung auf. Wunderbar skurrile Vorfälle wie sommerlicher Schneefall fordern die dörflichen Sitten heraus. Gerüchte kochen hoch: Daniel soll ein Stoppelfeld durch Kornkreise verwüstet haben. Bald wird das Netz aus seltsamen Details so engmaschig, dass neben dem allgegenwärtigen Humor die Spannung wächst.
Mit einer Mischung aus Humor und Bedrohlichkeit überzeugte auch Jan Peter Bremers Buch „Der amerikanische Investor“ die Jury. Bremer erhält den mit 15 000 Euro dotierten Nicolas-Born-Preis.
Zum Inhalt: Die Obergeschosswohnung sinkt ab, der alte Beton trägt nicht mehr. Jeden Tag zückt der Titelheld, ein schreibblockierter Schriftsteller, den Zollstock, um den langsamen Fall seiner Behausung zu protokollieren. Die Ehefrau will auf keinen Fall ausziehen, das Wohnungsamt gibt widersprüchliche Tipps. Der Protagonist lebt im Dauerstreit zwischen den Positionen.
Als Frau und Kinder nicht nach Hause kommen, stellt er die absurdesten Überlegungen an, wo sie wohl abgeblieben sind: Hat der frühreife Sohn die Beerdigung der sicherlich verunglückten Tochter schon selbst organisiert? Dicker oder dünnwandiger Eichensarg? Natürlich würde er hartnäckig verhandeln!
Durch Verdichtungstechniken, die einzelne Passagen zugleich witzig und tragisch einfärben, gelingt es Bremer, emotional viel zu transportieren. Der Text bleibt gut lesbar.
Der in Berlin lebende Autor wuchs im Kreis Lüchow-Dannenberg auf, wo der Lyriker und Romancier Nicolas Born („Die Fälschung“) bis zu seinem frühen Tod 1979 gewirkt hat.
