Wie bei Herzogs auf’m Dachboden
Braunschweig Die Ausstellung „Auf Umwegen ins Schloss“ in Braunschweig präsentiert gerettetes Inventar der einstigen Herzogsresidenz und dessen Geschichten
Da sieht’s ja aus wie bei Hempels auf’m Dachboden! Hätten die da nicht vor der Ausstellung mal ein bisschen entrümpeln können im Schlossmuseum? Stühle stehen kreuz und quer, einige hängen sogar von der Decke, alte Kutschenlampen liegen neben Kapitellen, vergilbte Ölschinken lehnen an allerlei Apfelkisten mit Küchenkram, Gläsern, Münzen, Tassen, Tafelsilber, Porzellan, Kommoden, Konsolen, Kandelabern und Touristenkitsch. Mittendrin steht stoisch ein massiver Marmor-Heinrich mit einer Art Pickel-Helm.
Das alles ist natürlich kein Gerümpel, sondern die Ausstellung selbst – jedenfalls im Wesentlichen. Die vermeintliche Unordnung der Objekte ist genau komponiert, und zwar durchaus originell. „Auf Umwegen ins Schloss“ heißt die neue Wechselausstellung im Braunschweiger Schlossmuseum zum fünfjährigen Bestehen des Nachbaus im Herzen der Stadt.
Gezeigt werden 43 Objekte, die einst zum Inventar des Schlosses gehört haben. Bereits Jahrzehnte vor dem Abriss im Jahr 1960 schwand der Inhalt allmählich. Vieles wurde durch Museen und Privatsammlungen vor dem Vergessen bewahrt. Aber vieles verschwand auch in den privaten Schatzkammern geschichtsbewusster Bürger. Und das waren sie, beteuert Bernd Wedemeyer, der für die Stiftung Residenzschloss jahrelang auf Recherche-Tour ging.
Das eben ist das Unterhaltsame an der Schau. Sie behauptet nicht, dass alle Schaustücke Spitzenkunst seien. Aber in einem Begleitheft werden die Umwege jedes einzelnen Objekts bis in diese Ausstellung nachgezeichnet. Da gibt es zum Beispiel eine Taschenuhr, die Herzog Ernst-August 1913 einem Bürger von Holzminden schenkte, weil dieser das beim hohem Besuch obligate, aber leider versäumte Glockenläuten untertänigst nachholte.
Oder eine Doppelaxt, die ein Schlossfreund 1960 aus den Ruinen des Schlosses barg. Ein anderer rettete ein Löwenköpfchen vom Schlosszaun vor der Verschrottung. Gut vorstellbar, dass im herzoglichen Forstamt die vergoldete Gürtelschnalle mit Eichenlaubkranz und Großem Braunschweigischem Staatswappen mit dazugehörigem wappenförmigen Bandollierschloss mit der W-Initiale Herzog Wilhelms in allerhöchsten Ehren gehalten wurde (oh, heilige Kleinstaaterei!).
Ein Sessel andererseits, den der große Baumeister Constantin Uhde entworfen hatte, wurde für jämmerliche 20 Reichsmark nach Celle verscherbelt.
Mit einer Reihe neu bezogener Sessel und Sofas kann Museumsdirektorin Helena Horn nun die rekonstruierten Ensembles der verschiedenen Säle – bis hinein in den Thronsaal – dauerhaft komplettieren. Der Rest der Schau wandert hinterher wieder – nein, nicht auf den Dachboden, aber ins Depot.
Zu sehen bis 14. Oktober, Di. bis So. 10 -17 Uhr.



