Wider die Bilder, die in die Köpfe gesetzt werden
Wolfsburg Die Städtische Galerie Wolfsburg zeigt in einer neuen Ausstellung Bilder von Mark Brandenburg auf Schloss Wolfsburg. Er kritisiert die moderne Welt
Licht benötigt Marc Brandenburg nicht, ins rechte Licht setzt er sein Werk, indem er es leuchten lässt. 14 Tage lang hat der 1965 in Berlin geborene Künstler zumeist nachts im dritten Obergeschoss des Wolfsburger Schlosses an seiner ersten Ausstellung in der Städtischen Galerie gearbeitet. Dann war alles fertig, mit grellgrün flimmernden „Film“-Streifen versehene Wände. „Es sind Zeichnungen“ versicherte Galerieleiterin Professorin Dr. Susanne Pfleger am Donnerstag den Gästen des Kunstgespräches in der Mittagspause.
In der Tat. Unter dem UV-Licht finden sich Zeichnungen in verschiedenen, winzigen Formaten. Die Motive wechseln und wiederholen sich. Jedes Einzelne hat Marc Brandenburg für jede einzelne Abfolge ausgewählt. Es sind Motive aus der Alltagswelt, insbesondere mit Bezug zum Schloss, zur Städtischen Galerie, zum Schlosspark, zu den Ausstellungen. Damit hat Marc Brandenburg einen interessanten Dialog zwischen Architektur und Kunst geschaffen, noch spezieller zwischen der Baukunst der Renaissance und der modernen, zeitgenössischen Art, Kunst zu machen. Das ist kein Widerspruch, ist die Renaissance doch die Morgenröte der Moderne.
Marc Brandenburg zeichnet sein Unbehagen an der heutigen Gesellschaft, die „aufgeklärter, liberaler und hedonistischer erscheint, als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts“, schreibt Oliver Koerner in einem Essay über das stark reduzierte Werk des Berliners, der nur eine schwarze Sonne auf den Alltag des modernen Menschen scheinen ließe.
Brandenburg kritisiere, die Bilder, welche die Menschen beeinflussten, die Bilder aus Filmen, Werbung und Medien seien „absolut machtvolle, aggressive Instrumente“, die „die Form unseres Zusammenlebens regulieren“, meint Koerner von Gustorf. Brandenburg setzte dagegen die Einfachheit, Schlichtheit, Naheliegende. So ist Normex, Titel der Ausstellung im Schloss Wolfsburg, Name der Plotterfolie, auf der seine Motive ausgedruckt werden.
Die Ausstellung wird am Samstag, 6. Oktober, 18 Uhr, im Schloss eröffnet. Dabei entsteht eine Künstleredition mit temporären Tattoos. Zu jedem erworbenen Tattoo serviert Susanne Pfleger einen Cocktail.

