Was der Welfenkönig am Finger trug
Braunschweig Eine Braunschweiger Ausstellung zeigt die hochkarätige Ringsammlung Ernst Augusts von Hannover
Für die Welfen waren Ringe kein Schmuck. Sie waren ein Bildnis ihrer Macht. Ein Wappenring mit dem Welfenross als Zeichen ihrer Herrschaft gehörte im 18. und 19. Jahrhundert zur gewöhnlichen Abendausstattung der Fürsten.
Zufall und schnellem Handeln ist es zu danken, dass sich die Schatzkiste von Ernst August von Hannover (1771-1851) jetzt in Braunschweig öffnet: Das Herzog Anton-Ulrich-Museum zeigt in der Burg Dankwarderode eine Ausstellung mit 19 der 21 Ringe umfassenden Sammlung.
Werner Daum hatte in einem Schaufenster eines Londoner Kunsthändlers einen Ring aus der Sammlung des „Duke of Cumberland“ entdeckt. Er wusste, dass sich dahinter kein anderer als Ernst August verbirgt, der zugleich König von Hannover war. Daum reagierte sofort: Er schrieb Museumsdirektor Jochen Luckhardt eine E-Mail, dieser warb Fördergelder ein. Zwölf Ringe wurden für „eine niedrige sechsstellige Summe“ erhandelt, sieben weitere liehen private Sammler für die Ausstellung.
Der springende Schimmel als Zeichen für die Schlagkraft des welfischen Adels wurde mit hauchdünnen Bohrern eingeschnitten. John Kirk – dem damals berühmten Londoner Steinschneider wird die Gravur zugeschrieben – bediente sich hierfür eines Tricks: Die Rückseite des Rings ließ er offen, damit Licht hereinscheint. So wirkt der filigrane Kunstschnitt, als komme er aus der Tiefe des funkelnden Karneols.
Neben dieser repräsentativen Funktion gibt es Ringe mit einem privaten Wert: Sie dienten als Erinnerungsstücke mit dem Abbild des Bruders oder des Verbündeten, der in der jüngsten Schlacht rettend eingriff. Das sticht besonders ins Auge, wenn etwa eine Haarlocke des verstorbenen Vaters eingegossen wurde. Diese persönlichen Schmuckstücke trug Ernst August zeitlebens nicht am Finger, sondern verwahrte sie in Schatullen aus Mahagoniholz.
Als Siegelringe dienten ihm so genannte Gemmen, die nach innen vertieft sind: als Negativ, das sich beim Versiegeln in den heißen Wachs eindrückt.
Als Kameen bezeichnet man dagegen Ringe mit erhabenen Reliefs: In der Ausstellung lassen Lupen erkennen, wie fein sie gearbeitet sind.
Nachdem die Ringgravur im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand, brach ihre Tradition in der Folgezeit weg. Die Handwerkskunst wurde vergessen.
Bis 13. Januar in der Burg Dankwarderode, Di-So 10 bis 17, Mi 13-20 Uhr.

