Tödliche Schönheit
Braunschweig Braunschweigs Photomuseum zeigt die erste Werkschau des französischen Fotografen Raphaël Dallaporta, 31. Darin setzt er Landminen ästhetisch in Szene.
In Raphaël Dallaportas Fotografien ist kein einziger Tropfen Blut zu sehen. Sie zeigen auch keine verstümmelten Leichen. Und doch sind seine Bilder voller Gewalt – einer subtilen, unsichtbaren Gewalt.
Unter dem Titel „Observationen“ zeigt das Braunschweiger Museum für Photografie die erste große Werkschau des französischen Fotografen. In der Serie „Antipersonnel“ (auf Personen gerichtet) hat er Minen in Szene gesetzt: detaillierte Aufnahmen in realer Größe vor einem schwarzen Hintergrund.
Dallaporta ist gelernter Werbefotograf, und so wirken die Miniatur-Bomben fast wie Schmuckgegenstände, akkurat, einzeln abgelichtet wie für einen Katalog.
Minen werden verdeckt verlegt. Sichtbar sind in der Regel nur die grauenvollen Verstümmelungen, die sie bei ihren Opfern bewirken. Dallaporta, 31, holt die unsichtbaren Todbringer ans Licht und liefert dazu eine minutiöse Beschreibung von Größe, Gewicht und Sprengkraft der einzelnen Modelle. Es ist die potenzielle Gewalt in den ästhetisch ansprechenden Bildern, die einen beim Betrachten schaudern lässt.
Auch in seiner zweiten Fotoreihe, „Domestic Slavery“ (häusliche Sklaverei), beschäftigt sich Dallaporta mit Gewalt. Diesmal verbindet er neutrale Architekturaufnahmen mit Kurzgeschichten in Textform. Sie erzählen von realen Ereignissen im Großraum Paris: von afrikanischen Hausmädchen etwa, die in den Wohnungen ihrer Arbeitgeber wie Sklaven gehalten wurden. Durch die Kombination von Text und Architekturfotografie impliziert Dallaporta ein „Hinter-die-Fassade-blicken“, ein Sichtbarmachen der Gewalt, die hinter den stummen Mauern der Gebäude stattfindet.
Unter dem Stichwort „Fragile“ hat der Fotograf Körperteile aus einem Leichenschauhaus abgelichtet. In einem ähnlichen Stil wie bei den Minen-Fotografien zeigt er die Organe, die für den Tod der betroffenen Person verantwortlich waren: Ein zerfetztes Herz oder ein durchstochenes Brustbein. Eine Betrachtung der Todesursache aus einem anderen Blickwinkel. Nicht der äußere Einfluss, sondern das körpereigene Versagen wird offengelegt.
Als Gegenstück zu Dallaporta zeigt das Museum Arbeiten von Jens Klein. Unter dem Titel „Hundewege – Indexe eines konspirativen Alltags“ hat er Bilder aus Stasi-Archiven zusammengestellt. Die verwackelten und unscharfen Aufnahmen von DDR-Bürgern besitzen eine fast schon tragikomische Qualität.
So bespitzelte die Stasi scheinbar systematisch harmlose Hundebesitzer. Auch ein möglicherweise konspirativ genutzter Briefkasten war der Ablichtung wert. Somit dokumentieren die Bilder zum einen das skrupellose Nachstellen. Weil Klein jedoch den Kontext und die schriftlichen Protokolle der Spitzel völlig ausnimmt, erhalten die Fotos einen fast schon poetischen Charakter: Momentaufnahmen des DDR-Alltags, Schnappschüsse aus einer vergangenen Zeit.
Bis 27. Mai. Öffnungszeiten: Di.-Fr. 13-18 Uhr, Sa. und So. 11-18 Uhr. So 16 Uhr Führung. Eintritt: 2,50€ Euro€.

