<strong>Der Italiener schöner Schlaf am gefährlichen Vesuv</strong>
Wolfsburg Junge italienische, in Berlin lebende Künstler lud Michele Valensise ein, ihre Kunst in Roms Botschaft zu zeigen. Eine Auswahl zeigt Wolfsburg
Sie ist Schwedin und sie ist Italienerin, lebt und arbeitet aber in Berlin. Carla Åhlander setzt die Leere in Szene und nutzt das Versagen als Protest. Mit ihrer Kamera hält die schwedisch-italienische Künstlerin banale Alltagssituationen fest. „Outside“, ihre Fotoreihe, entstand nachts außerhalb eines Berliner Wohnblocks. Die erleuchteten Fenster suggerieren Wärme, aber die Künstlerin zeigt scheinbar verlassene Wohnungen, belässt ihre Aufnahmen zwischen Stille und Erwartung.
Sie gehört zu den sieben Künstlern, deren Arbeiten zurzeit im Italienischen Kulturinstitut zu sehen sind. Die weiteren sechs sind Elena Bellantoni, Daniela Comani, Deborah Ligorio, Gianluca Malgeri, Jonatah Manno und Carola Spadoni.Es sind Fotografien, Installationen, Zeichnungen und Videos. Der rote, sie verbindende Faden ist die Auswahl, getätigt mit feinem Sinn für Entfremdung, zugleich ein Versuch, die Wirklichkeit zu dechiffrieren.
Unter dem warnenden Titel “Il Sonno” (Der Schlaf) zeigt Deborah Ligorio zeigt ein Flug über den Vesuv. In einem Wellensalat klingen die Radiosender durcheinander, Nachrichten bloß, kaum wahrgenommen. Und mitten in den ohne Genehmigung erbauten Häusern liegt der Vulkan. Eine latente, aber ignorierte Gefahr.
“Ich bin, du bist” von Elena Bellantoni ist eine Auseinandersetzung über die Sprache der Liebe, die Gegensätze eines Paares und ihre Anziehungen. Kein neues Thema, aber bemerkenswert inszeniert. Vor einem Beichtstuhl in der römischen Landschaft geben die Liebenden preis, was sie empfinden: von bedingungslose Liebeserklärungen bis zu tief empfundenem Hass.
Gianluca Malgeri befasst sich mit der italienischen Einwanderung in Deutschland. Auf der Fotomontage „Untitled“ versetzt sich der Künstler in die Lage des Migranten und stellt sich eine unmögliche Begegnung mit einer der Ikonen des Films vor. Das künstlich vergilbte Bild erinnert an die 60er Jahre.
Anlässlich der in den 60er-Jahren beginnenden italienischen Einwanderung in Wolfsburg zeigt Volkswagen das von der Italienischen Botschaft entwickelte Projekt erstmals in dieser Stadt, im Volkswagen-Pavillon, wo weitere 16 Künstler, Rebecca Agnes, Riccardo Benassi, Antonio Catelani, Paolo Chiasera, Loris Cecchini, Martina Della Valle, Armin Linke, Andrea Melloni, Christian Niccoli, Federico Pietrella, Benedetto Pietromarchi, Riccardo Previdi, Andrea Salvino, Pietro Sanguineti, Patrick Tuttofuoco und Luca Vitonev ertreten sind. Die diplomatische Vertretung Italiens öffnete ihre Türen und repräsentativen Säle zwei Jahre lang für die Experimente und Provokationen von inzwischen 48 Künstlern.
Istituto Italiano di Cultura
bis 7. September (Finissage, 18 Uhr)
Mo. – Do. 9 – 13 Uhr und 14 – 17 Uhr; Fr. 9 – 15 Uhr
Volkswagen Pavillon, Autostadt
bis 31. August, täglich 9 bis 18 Uhr
Kuratorinnen: Alessandra Pace, Marina Sorbello

