Roms vergessener Feldzug – Großausstellung in Braunschweig
Braunschweig Im Landesmuseum werden ab September 2013 die sensationellen Funde vom römisch-germanischen Kampfplatz am Harzhorn und die Erkenntnisse daraus präsentiert.
Funde eines Hobby-Archäologen am Höhenzug Vogelberg/Harzhorn südöstlich von Bad Gandersheim hatten vor vier Jahren Althistoriker weit über Norddeutschland hinaus in Aufruhr versetzt. Pfeil- und Lanzenspitzen sowie andere Militaria wiesen eindeutig daraufhin, dass sich Römer und Germanen hier ums Jahr 235 nach Christus blutig bekämpft hatten – Jahrhunderte nach der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus, die bis dato als Ende der römischen Militär-Ambitionen nördlich des Limes gegolten hatte.
„Die Geschichte muss neu geschrieben werden“, pointierte Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, bei einer Pressekonferenz zur Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“.
Vom 1. September 2013 an sollen im Landesmuseum die Harzhorn-Funde und die neuen Erkenntnisse daraus erstmals im großen Stil präsentiert werden. Und nicht nur dort: Das Naturhistorische Museum stellt unter dem Motto „Wildes Germanien“ Natur und Tierwelt während des 2. bis 4. Jahrhunderts vor. Das Herzog-Anton-Ulrich-Museum will sich in der Burg Dankwarderode der künstlerischen Rezeption des kaiserzeitlichen Italiens in der frühen Neuzeit widmen.
1,8 Millionen Euro beträgt der Etat für die Landesausstellung. Allein 800.000 Euro kommen laut Wissenschaftsministerin Johanna Wanka vom Land, 400.000 Euro von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.
In der Summe enthalten sind auch Sanierung und Umbau des ersten Stocks des Landesmuseums am Burgplatz. Die Dauerausstellung zur Landesgeschichte wird dafür geräumt und neu konzipiert.
„Das Schlachtfeld am Harzhorn liegt in einem Waldgebiet, das 1800 Jahre fast unberührt blieb. Das ist einzigartig nördlich der Alpen und macht es für Wissenschafter so bedeutend“, sagt Heike Pöppelmann.
Die archäologisch aussagekräftigen, aber für Laien eher unspektakulären Pfeilspitzen und weiteren Funde sollen modern „inszeniert“ werden. Das Landesmuseum arbeitet dafür etwa mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen. Das DLR werde ein großes, dreidimensionales Modell des Harzhorns bauen, auf dessen Oberfläche Projektionen das Schlachtfeld anschaulich darstellen werden, kündigte DLR-Chef Joachim Block an. Weitere Multimedia-Installationen sowie Leihgaben aus acht europäischen Ländern gehörten ebenfalls zum Konzept, so Pöppelmann.
Eine Hauptrolle werde Roms erster Soldatenkaiser Maximinus Thrax spielen, der den Feldzug vom Stützpunkt Mainz gen Norden im Jahr 235 angeführt hatte. Bis zu 10 000 Legionäre sollten Aufstände zurückschlagen. Auf dem Rückweg griff ein germanisches Aufgebot Thrax am Harzhorn an – doch die Römer setzten sich noch einmal durch.
„Dabei traten die Germanen militärisch durchaus ausdifferenziert und nicht als wilder Haufen an“, nennt Pöppelmann weitere neue Erkenntnisse, die in Braunschweig dargelegt werden sollen.
„Roms vergessener Feldzug“, 1. September 2013 bis 19. Januar 2014 im Braunschweigischen Landesmuseum. www.römer-in-braunschweig.de

