Raimund Kummers skurrile Lichtbilder
Braunschweig Mystische Installation des HBK-Professors aus Diaprojektoren in der Galerie der Kunsthochschule Braunschweig
Schwarz die Einladungskarte mit einem geheimen griechischen Titel – „nóstos álgos“ (so viel wie: Heimweh). Dunkelverhangen der Eingang zur HBK-Galerie und dunkel der Innenraum. Lichtreflexe zucken auf. Das alles weckt mystische Kathe dral erinnerungen. Ein Wald technischer Installationen füllt die Galerie und ein penetranter Dauerton aus den Kehlen vieler Ventilatoren, untermalt vom Klacken ebenso vieler Diaprojektoren, empfangen den ahnungslosen Besucher.
An drei Wänden der Galerie erscheinen hundertfach leere Bildflächen unterschiedlichster Größe und Helligkeit. Sie kommen und gehen, leuchten und verblassen, wandeln ihr Grau in Blau-und Rosatöne, angefeuert durch ein grell-leuchtendes Leerfeld, das dominant über die Wände geistert. Hochaufgerichtet stehen 81 Metalltürme, vier Meter die höchsten, fünfunddreißig Zentimeter die kleinsten, auf denen ebenso viele Diaprojektoren sitzen.
Sie alle arbeiten um die Wette, in jedem Kodakkarusell stecken 81 schwarze Dias, die das Licht der Welt entdecken möchten. Kilometerlange Kabel winden sich am Boden, rote Lämpchen blinken Aktivität aus dem Chaos. Und inmitten dieses Metropolis von Projektionsarbeit der Betrachter mit seinem Schatten an der Wand, seinen Ohren voller Maschinenlärm und einem Gefühl übertriebener Wärme.
Mehr als ein Forschungssemester hat der Bildhauer Raimund Kummer an dieser Arbeit getüftelt, um aus Geräten zur Kunstvermittlung selbst ein Kunstwerk zu schaffen.
Dem Braunschweiger Professor ist eine Installation gelungen, der man internationalen Rang zusprechen kann. In seiner Arbeit thematisiert er die Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst und erweitert den Skulpturbegriff.
Raum, Licht, Konstrukt und Bild verbinden sich zum Ganzen, das man mit Assoziationen beleben kann. Die projizierten Lichtflächen gleichen Wandgemälden der Zero-Künstler, die Konstruktionen der Projektionstürme werden zum Wald, dessen Laubboden hier das Gewirr der Kabel bildet.
Alles erscheint organisch belebt und weniger technisch ausgerichtet. Die Zahl 81 ergab sich für Kummer aus den Vorgaben der 81 Diakammern, die durch 81 Projektoren potenziert wird. Niemals gleicht ein Projektionsbild dem anderen. Technikfreaks mögen sich an der Präzision der Funktion erfreuen, andere an der Faszination des Gesamten und seiner erzählfreudigen Ausstrahlung.
Bis 20. Dezember, Mo.-Fr. 15-18 Uhr.



