Madonna wird 500
Dresden Dresden bereitet sich auf die Jubiläumsschau für Raffaels Sixtinische Madonna vor. Ein Raum ist der Karriere der Engel in Kitsch und Kommerz gewidmet.
Sie gilt als eine der schönsten Frauen der Welt. Mit leicht umflortem Blick steigt sie über Wolken dem Betrachter entgegen, auf dem Arm das Jesuskind, als wollte sie es dem gnadebedürftigen Volk als Retter bringen. Raffaels Madonna entstand vor 500 Jahren, doch über alle ästhetischen Entwicklungen hinweg ist sie ein Inbild von Schönheit und liebender Hingabe geblieben.
Dass dieses großartige Werk in die Dresdner Gemäldegalerie gelangte, ist dem sächsischen Kurfürsten August III. zu danken, der es 1752 erwarb. Bis heute ist es ein Besuchermagnet im Zwinger, und so versteht es sich von selbst, dass der 500. Geburtstag groß gefeiert wird. Die sogenannte Sixtinische Madonna wird dafür nicht mal neu gereinigt, nur ein neuer Rahmen mit neuem Glas soll her. Und eine Jubiläumsschau, für die sie ins Erdgeschoss umzieht und auf kostbare Leihgaben aus London, Wien, Budapest und dem Vatikan treffen wird.
Die Madonna war ursprünglich als Altarbild gedacht, daran erinnert noch der Holzuntersatz, auf dem das Gemälde in Dresden ausgestellt wird. Raffael malte sie für die Kirche Sankt Sixtus in Piacenza, daher ihr Beiname „Sixtinische Madonna“. Maria trägt Christus über die Bildgrenze auf den Altar, wo er im Abendmahl präsent ist. Daher ist hier auch kein freudestrahlendes Baby zu sehen, denn es weiß, dass es die Begnadigung der Menschen bei Gott durch seinen Kreuzestod bezahlen muss.
Die beiden zerzausten Engelchen, die sich auf den Bildrahmen lümmeln, werden gebraucht, damit sie den Herrn anschließend wieder zurück ins Himmelreich heben. Ihr Erdendienst habe sie schon etwas struppig gemacht, heißt es in einfühlender Fachliteratur. Im Übrigen habe sie Raffael erst später ergänzt, weil ihm die Wolkenzone zu leer erschienen sei. Über die Karriere der Engelchen bis hin zu Kitsch und Kommerz wird eine eigene Abteilung der Sonderschau informieren.
Um die Entstehung im Rom Raffaels zu illustrieren, reist dessen „Garvagh Madonna“ aus London an. Ausführlich erzählt wird die Ankaufsgeschichte, denn der Papst wollte das von ihm einst für Piacenza in Auftrag gegebene Werk zunächst nicht freigeben. August III. soll daher bei ihrer Ankunft in Dresden gerufen haben: „Platz für den großen Raffael“. So hat Adolph Menzel 1855 sein Gemälde über diese Anekdote auch genannt. Längst war die Madonna Anziehungspunkt romantischer Bewunderung geworden. Für diese Rezeption steht etwa Riepenhausens „Der Traum Raffaels“, wo die Madonna dem schlafenden Genie als göttliche Eingebung erscheint. Von 1945 bis 55 war das Gemälde in Russland, laut Propaganda von der Sowjetarmee gerettet und so noch 1984 auf einem Gemälde von Kornetsky festgehalten.
Die Schau startet am 26. Mai und wird bis 26. August dauern.

