Lebens-Bilder
Braunschweig In der Ausstellung über Porträt-Kunst im Braunschweigischen Landesmuseum erzählen oft Bilder von ganz einfachen Bürgern die Geschichte der Region.
Auguste Caroline Burmester war nie reich und nie berühmt. Und trotzdem ist die Frau eines Gärtners in der neuen Ausstellung des Braunschweigischen Landesmuseums gleich an erster Stelle zu sehen. Unter dem Motto „A sentimental Journey“, eine empfindsame Reise, werden hier Porträts aus dem 18. bis 20. Jahrhundert gezeigt. „Diese Ausstellung ist ein Experiment“, gibt Museumsdirektorin Heike Pöppelmann offen zu. So seien die Bilder nicht etwa nach Epochen geordnet. Jedes Bild repräsentiert in alphabetischer Reihenfolge eine bestimmte Phase in der Stadtgeschichte oder einen Aspekt im Leben ihrer Bewohner.
Auguste Caroline Burmesters Porträt steht für die Auswanderung. Wer die blässliche Dame mit den Ringellöckchen und der Perlenkette genauer betrachten möchte, muss direkt an die Wand herantreten – ihr Bild gibt es in einer Miniatur zu sehen. Sie wurde 1803 geboren und heiratete später den Gärtner zu Richmond. Die Lebensumstände wurden für die einfache Bevölkerung Mitte des 19. Jahrhunderts immer schwieriger. Hohe Arbeitslosigkeit bewegte viele Braunschweiger dazu, auszuwandern. Burmesters Sohn Johann Carl Gustav suchte sein Glück in Amerika. „Wir wollen die Ereignisse mit Einzelschicksalen erzählen“, erklärt Kuratorin Angela Klein. Diese seien bei Besuchern ohnehin besonders beliebt, sagt Pöppelmann.
Im Ausstellungsalphabet finden sich unter anderem die Begriffe Netzwerk und XXL wieder. Wer diese Titel im Detail verstehen will, kann sich auf die sogenannten Ruheinseln – gemütliche Stühle im gedämpften Licht – zurückziehen und im Katalog stöbern. Da kann man unter anderem nachlesen, dass sich der Begriff XXL hier nicht auf die Körpergröße bezieht, sondern auf ein Gemälde. Der XXL-Mensch Bernhard Plockhorst (1825-1907) war Maler und entwarf für das Gerichtsgebäude in der Münzstraße das Bildnis auf der Außenwand. Auf drei mal zwölf Metern zeigt es in drei Bildfeldern zum Beispiel eine XXL-Justizia. Sein Porträt füllt eine große Leinwand. Plockhorst sitzt ergraut und mit Vollbart im Hausmantel da und schaut den Betrachter aufgeweckt an.
„Wir wollen die Besucher auch einfach dazu anregen, sich damit auseinanderzusetzen, wie sich andere Menschen darstellen und wirken“, erklärt Pöppelmann. Am Ende der Ausstellung gibt es dann für alle Gäste den Selbstversuch. Der letzte Raum ist wie ein kleines Fotostudio eingerichtet. Besucher können sich vor verschiedene Hintergründe sowie den Rahmen ihrer Wahl stellen und frei drauflosposieren. Wer von der Fotografin oder der frei verfügbaren Museumskamera abgelichtet wird, fließt mit in eine Beamerpräsentation an der Wand ein. Die Fotos sollen laut Pöppelmann auch auf der Facebookseite und der Flickrseite, einem Online-Fotoportal, des Landesmuseums veröffentlicht werden.
Bis 3. März im Braunschweigischen Landesmuseum, Burgplatz 1, geöffnet Di. 10-20 Uhr, Mi.-So. 10-18 Uhr.



