Kunststudenten – butterweich und trinkfest zum Höhepunkt
Braunschweig Am nächsten Dienstag beginn an der Hochschule für Bildende Künste der alljährliche Rundgang mit Arbeiten des Nachwuchses
Es passiert nicht jeden Tag, dass um 11 Uhr vormittags vor den Ateliers der HBK-Klassen der Professoren Kummer und Ecker am Artmax in Braunschweig die Butter flüssig wird. Ihre Verwendung für die Kunst ist ja auch ein bisschen außer der Mode.
Doch da die Klassen gerade emsig den Rundgang vorbereiten, erfüllt die Butter hier keine künstlerischen Zwecke. Hier wird gefrühstückt. Es ist ein Arbeitsessen unter beschleunigten Bedingungen. Ständig steht jemand auf und zupfelt an einer Arbeit herum.
„Es ist die beste Zeit“ sagt Professor Bogomir Ecker über den alljährlichen Rundgang der Hochschule für Bildende Künste. Er kommt soeben von einer Diplomprüfung, eilig schiebt er sich ein Brötchen in den Mund, „ich habe heute noch nichts gegessen“. Yvonne Reiners, eine Studentin bei Eckers Bildhauerkollegen Kummer, nickt dazu kräftig. Die Absolventin Kirsten Achtermann kommt frisch von der Diplomprüfung und pflichtet Ecker in der Einschätzung bei, das Hochschulleben erreiche mit dem Rundgang seinen Jahreshöhepunkt.
„Die Hochschule lebt auf“, berichtet Ecker weiter. „Die Professoren sind verstärkt vor Ort, sie halten ihre Prüfungen und nutzen die Gelegenheit, den Stand des Diskurses zu sichten. Und allmählich kommen auch Sammler und Kuratoren von außerhalb zu den Rundgängen.“
Als Minivorschau für die Presse gewähren die beiden Bildhauerklassen schon einmal einen Einblick in ihre Ausstellungen. Am nächsten Dienstag eröffnet Präsident Hubertus von Amelunxen den Rundgang am Johannes-Selenka-Platz. Mehr als 100 Veranstaltungen und Ausstellungen finden zwischen dem 10. und 15. Juli statt: Werkstattbesichtigungen, Kunst-und-Koch-Aktionen einzelner Klassen, die Ausstellung „Artists As Travellers“ des California Institute Of The Arts. Am Abend des 14. Juli steigt das HBK-Sommerfest als Techno-Sause.
Bevor er in wieder in seinem Atelier verschwindet, erzählt Professor Ecker von der Tradition der Rundgänge in Düsseldorf, die mittlerweile den Charakter einer Verkaufsshow angenommen hätten. So müsse das ja auch nicht sein, sagt der Bildhauer. 40 000 Menschen, das wäre etwas zu viel. Doch: „Für Braunschweig wünsche ich mir doch etwas mehr Neugierde, mehr Aufmerksamkeit auf den Rundgang. Das sind doch alles super Menschen hier! Und sie können gut trinken.“


