Kunstmuseum Wolfsburg zeigt Frank Stella – Die Retrospektive
Wolfsburg Eine große Ausstellung in Wolfsburg gibt einen umfassenden Überblick über das Schaffen eines der bedeutendsten zeitgenössischen US-Künstler.
„Frank Stella – Die Retrospektive“. So titelt das Kunstmuseum die mit 145 Arbeiten umfassendste Werkschau des amerikanischen Künstlers im 21. Jahrhundert. Klingt ja so wie „Volkswagen. Das Auto“. 63 großformatige Werke und 82 Arbeiten auf Papier zeigen, wie sich Frank Stella vom Minimalisten zum Maximalisten wandelte, wie seine Bilder in den Raum gingen, was er unter Abstraktion versteht, nicht zuletzt, welche Bedeutung er für die Kunst im 20. Jahrhundert hat.
Das beginnt mit großformatigen, recht monochromen Bildern, inspiriert noch von der monochromen Farbfeldmalerei der 1950er-Jahre. Total schwarz, nein nicht ganz. Feine weiße Linien durchbrechen die schwarz bemalte Fläche, machen das Bild so viel filigraner, geometrischer. Stellas „Black Paintings“ lösten heftige Diskussionen aus. Zunächst in New York, dann in Amerika, schließlich auch in Europa.
Minimalismus pur. Noch dazu schockierend vor 50 Jahren. Dann auch in anderen Farben, Kupferpigment auf Leinwand, geformt wie ein T, dem feine, weiße Linien optisch Räumlichkeit verleihen. Minimal Art faszinierte.
Frank Stella, geboren am 12. Mai 1936 in Malden (Massachusetts) ging immer weiter hinaus aus dem Bild in den Raum. Die Arbeiten aus der Serie „Polish Village“ deuten dies bereits an, inspiriert von der Lektüre eines Buches über Synagogen in den Dörfern Polens.
Wie Sprungfedern wirken die Streifen; Sprungfedern, die Dreiecke aus dem zweidimensionalen Bild hinauskatapultieren. Dazu passt, dass Stella auch die Formate sprengt. Er schiebt Dreiecke, Quadrate, Streifen, ineinander, übereinander und zusammen. Aber zu quadratischen Bildern werden sie nicht.
Die Retrospektive zieht diese Wege Stellas nicht chronologisch nach. Zeitliche Abfolgen treten hinter thematischen Bezügen zurück. Die Ausstellungsarchitektur erlaubt so direkte Vergleiche. Da sind Arbeiten, die zylindrische Formen angenommen haben, noch sehr groß und schwer wirken mit plastisch aufgemalten bunten Streifen.
Wenige Jahre später veränderte der Künstler sie zu viel filigraneren, feineren Gebilden, ohne die zylindrischen Formen oder die Streifen aufzugeben. „Mechanische Arbeiten“ seien es, erläutert er.
Stella folgt Ideen, der Aufklärung, wie in seinen Diderot gewidmeten Bildern, befasst sich mit Literatur und übersetzt Heinrich von Kleist in eine faszinierende, abstrakte Bildsprache. Für das Kunstmuseum schuf er eine weitere Arbeit der Serie „Scarlatti Sonata Kirkpatrick“. „K.179“ aus dem Jahr 2011 ist erstmals in Wolfsburg öffentlich zu sehen. Abstraktion sei, so sagt Stella, oft nur scheinbar Abstraktion.
