Jim Raketes Visite in der Requisite
Braunschweig Die Schau „Stand der Dinge“ zeigt Porträts, die der Fotokünstler von Filmstars gemacht hat. Anlässlich des Filmfests ist sie in Braunschweig zu sehen.
Katja Riemann kann nicht rauchen. Auf dem Porträt von Jim Rakete steckt sich eine der bekanntesten Blondgelockten des deutschen Films eine Zigarette an. Irgendeine, und sie wirkt ebenso wie ein Fremdkörper wie das Feuerzeug, das sie zum Anfeuern nutzt.
Es ist jedoch nicht irgendein Ding, sondern genau dieser silberne und sturmfeste Feueranzünder, der schon in Katja von Garniers „Bandits“ vor die Kamera kam.
Der Fotograf Jim Rakete hat Riemanns Gesicht in den linken Bildvordergrund gesetzt, im Hintergrund verschwimmen die Lichter der Nacht.
Der Star und das Filmutensil
Das Riemann-Porträt wirkt gestellt in seiner Gänze, und doch mag es etwas von der Schauspielerin einfangen, den unbedingten Drang zur Pose vielleicht. Überhaupt steckt der 71-jährige Starfotograf viel Aufwand, viele Inszenierungsgesten in seine Bilder-Serie „Stand der Dinge“, die am Sonntag im Städtischen Museum eröffnet worden ist.
Bekannt geworden ist der Berliner mit Aufnahmen von Jimi Hendrix oder den Rolling Stones. Und als mit Nena und Spliff die „Neue Deutsche Welle“ in den Pop einzog, da verdingte er sich auch als Musikmanager und -Produzent.
„Den Roadie musst du behandeln wie einen Star, und die Stars musst du behandeln wie einen Roadie“, sagte er zum Publikum im Foyer des Museums.
Nun hat er die Roadies mit den Runners und Best Boys getauscht, denn „Stand der Dinge“ ist eine Auftragsarbeit. Das Deutsche Filmmuseum zeigte diese Porträts der bekanntesten Regisseure und Schauspieler und weiteren Protagonisten der Filmszene des Landes. Das Filmfest bietet nun den Rahmen für die Ausstellung in Braunschweig.
Am Eingang schiebt sich Michael „Bully“ Herbig neckisch einen Holzstuhl aus „Wickie“ zurecht, Joachim Fuchsberger kaut die Pfeife im Mund und lehnt sich an eine Birke, grau meliertes Jackett, weiße Hose, inszenierte „Freizeit“.
Regisseur Christian Petzold zählt braunweiße Geldbündel, die in seinem Film „Jerichow“ zum Einsatz kamen, und blickt dabei, als stelle er gerade eine neue geisteswissenschaftliche Theorie zur Bedeutung des Geldes zusammen.
Rakete sucht in all diesen Motiven die Pose, und die hält er gekonnt fest. Schon die Idee, in jedes der Porträts ein Requisit einzupflanzen, das den Abgebildeten von Bedeutung ist, zeigt ja, dass er mit diesen Fotografien ganz im Genre des Films bleiben möchte. Insofern wirken sie fast durchgängig wie Figuren ihrer selbst: Die Schauspielerin Heike Makatsch, sich anschmiegend an eine Birke aus „Hilde“. Regisseur Tom Tykwer, mit aufgemotzt-barocker Uhr aus „Lola rennt“. Die Granden Wenders, Schlöndorff, Lemke; Kekili und Schygulla.
Gedimmte Leuchtkraft
Gegriffen wird zu Kameras und Linsen, Gewehren und Pistolen und Patronen, Joints und Zigaretten, und manche rauchen dabei gekonnt. Es kommt selten vor, doch hier hat sich der Schwarzweiß-Spezialist Jim Rakete für Farbe entschieden. Auf Barrit-Papier druckt er diese warmen Töne, die leicht entsättigt sind, also in ihrer Leuchtkraft wie runtergedimmt wirken.
Eine Übersicht, eine Bestandsaufnahme: nach St. Petersburger Art dicht an dicht gehängt, vermitteln die Rakete-Aufnahmen das Gefühl, auf einer Berlinale-Party rumzulaufen. Mit der Zeit nutzt sich die Idee mit den Requisiten ab. Doch in der Mittagspause mal rüber zum Städtischen Museum, das passt bestimmt.
Bis 2. Dezember geöffnet Di.-So. 10-17 Uhr.
Vom 6. bis 11. November werden täglich um 12, 15 und 16 Uhr Führungen mit Ortrud Toker vom Deutschen Filmmuseum angeboten, die auch alle Geschichten zu den Porträts kennt, zum Beispiel, warum Katharina Thalbach mit Scheuerbürste und Eimer posiert. Anmeldungen unter (0531) 470 45 21.

