In der Debatte: Die Professoren-Kunsthalle
Braunschweig Die Kunsthochschule und das Museum für Photographie wollen an der Hamburger Straße ein neues großes Ausstellungszentrum schaffen
Dass Künstler mit internationalem Ruf an der Braunschweiger Kunsthochschule lehren, wird in der Stadt nur wenig spürbar. HBK-Präsident Hubertus von Amelunxen will sie jetzt für Einzelausstellungen gewinnen, die zeitgleich in Braunschweig und Berlin und anschließend in wechselnden europäischen Kunststädten gezeigt werden sollen.
Aber wo in Braunschweig? Amelunxens Plan, für den er jetzt im Kulturausschuss um Unterstützung warb, sieht eine Ausweitung des von der Stadt bis 2015 mietfrei zur Verfügung gestellten „Raumlabors“ an der Hamburger Straße vor. Mit im Boot ist dabei das Museum für Photographie, das die auf drei Räume erweiterte Adresse unter dem Titel „Quartier 267“ mit bespielen soll. Braunschweig mit seiner Foto-Tradition und dem Schwerpunkt Fotografie an der HBK legten diese Zusammenarbeit nahe, betonte Amelunxen.
Wer aber soll es bezahlen? Auf 623 000 Euro belaufen sich die Planungen für ein erstes Ausstellungsjahr. Drei Jahre sind avisiert, dann soll der Erfolg bewertet werden. Sollte es dann weitergehen, wäre eine Neuausstattung der Hallen nötig. Die Rechnung für ein Jahr beinhaltet Eigeneinnahmen und projektbezogene Drittmittel, vor allem aber würde das Museum für Photographie sein gesamtes bisheriges Budget einbringen, das sind 100 000 Euro städtische und 48 000 Euro Landesmittel. Die HBK dagegen nur 50 000 Euro Eigenmittel. Bliebe ein Mehrbedarf, der vom Land mit 13 000 Euro, von der Stadt aber mit 140 000 Euro beglichen werden sollte. Sollte sich die Stadt dazu entschließen, steht als Volkswagen Financial Services mit weiteren 140 000 Euro bereit. So wäre die Summe beisammen.
Und hier begann nun die Diskussion. Warum die HBK und das Land Niedersachsen, die sie trägt, so wenig beitragen würden, wurde gefragt. Amelunxen: „Wir sind eine Einrichtung der Forschung und der Lehre, wir haben eigentlich gar kein Geld, um Ausstellungen zu machen.“ Allerdings veranschlagte er auch das Renommee der Künstler. „Für verhältnismäßig wenig Geld bekommt die Stadt hochkarätige Ausstellungen, die Braunschweig unbedingt einen Prestigegewinn bringen.“ Den Anfang soll eine Werkschau von Bogomir Ecker machen.
Wo die HBK bislang ausstelle, wurde gefragt. Dafür gebe es die Galerie in der HBK selbst und eben das „Raumlabor“, das aber mehr für studentische Experimente genutzt werde, so Amelunxen. Die einzige namhafte Ausstellung hat dort das Museum für Photographie mit „Shoot“ ausgerichtet, räumte er ein. Dazu bemerkte Kulturdezernentin Anja Hesse, dass das „Raumlabor“ durchaus für Professorenkunst genutzt werden könnte. „Der Beirat, der vorgesehen war, um das Programm festzulegen, hat leider nie getagt.“
Hesse wollte auch wissen, wie das Museum für Photographie seine angestammten Torhäuser bespielen wolle, wenn der Etat an den neuen Ort gebunden würde. Leiter Florian Ebner erklärte, dass er den Unterhalt mit 15 000 Euro sichern könne. Es werde dort weiterhin Ausstellungen geben, die er aber ausschließlich durch Drittmittel finanzieren wolle. Das sei auch mit dem Trägerverein des Museums abgestimmt.
Die Kulturdezernentin hakte nach, ob die Pläne mit den anderen Kunstinstitutionen in der Stadt abgesprochen seien. Amelunxen bekräftigte dies.
In der Sitzung signalisierte Elke Flake für die Grünen, dass ihr der dreijährige Testlauf das zusätzliche Geld von 140 000 Euro jährlich wert sein könnte. Die anderen Fraktionen schienen noch in Beratung. Als nächstes muss die städtische Verwaltung das Projekt bewerten und eine Ratsempfehlung vorbereiten.



