Herbe Poesie des Alltags auf fotorealistsichen Gemälden
Wolfenbüttel Daniel Behrendts Bilder im Kunstverein Wolfenbüttel sind meisterlich gemalt und strahlen eine eigentümliche Atmosphäre aus.
Vor 100 Jahren malte der Däne Vilhelm Hammershøi fast leere Wohnräume mit offenen Türen, deren malerische Schönheit und Nichts an Handlung bis heute Bewunderung finden. Nun gibt es einen Nachfolger: Daniel Behrendt erschafft Räume, die Hammershøis Stille und Schönheit besitzen, aber noch weniger zeigen, sich auf Außenwände beziehen und eine Reduktion kultivieren, die der Farbe gewidmet ist.
Die Motive zeigen Hinterhoffassaden, Hofeinfahrten, Wände nüchterner Neubauten, die tägliche Architekturlangeweile eines Stadtviertels.
Behrendt entdeckt in der Gleichförmigkeit und Farb armut Spuren, Schrammen, Flecken, mischt das Grau aus Rot, Lila, Gelb, Blau, schafft Erd- und Senftöne und dunkelste Schwarzschluchten. Beton und Zementverputz werden zu Malerei. Damit es nicht bei abstrakter Farbfeldmalerei bleibt, unterbrechen schmale Fenster die Wände, blind, verschlossen, abweisend. Kein Mensch, kein Lebewesen zeigt sich. Bäume existieren als Schattenwurf. Alles sachlich, linear konstruiert, gespachtelt und gemalt mit allen Altersspuren des Lebens.
Ein Bild zeigt einen Balkon. Er scheint zu schweben. Sein Unterboden ist feucht und marode, gemusterte Bettdecken hängen über der Brüstung. Mehr nicht. Aber was für eine Malerei, was für eine Erzählung!
Behrendt kann auch Porträts. Handtellergroß sind die Bildchen und biedermeierlich fein gemalt. Aus tiefem Schwarz tauchen die Gesichter ins Licht ein und sind sich selbst genug. Licht und Schatten sind in allen Bildern ein Gestaltungsmittel, das aus dem einheitlichen Grau lebendige Farbflächen werden lässt. In Behrendts Malerei verbinden sich ungewöhnliche, banale Motive mit traditionellem Realismus zu einer kunstvollen Einheit.
Bis 18. November, Di.-Fr. 16-18 Uhr, Sa./So. 11-13 Uhr.

