General Francos Schiff in Braunschweig
Braunschweig Arbeiten von Susanne Kriemann und Fernando Sánchez Castillo im Kunstverein Braunschweig
Sie gehe „super-subtil“ mit politischen Inhalten um, sagte die junge deutsche Künstlerin Susanne Kriemann gestern bei der Vorbesichtigung ihrer Ausstellung im Braunschweiger Kunstverein.
Wohl wahr.
Wir kommen also hinein in die Kunstvereins-Villa und sehen eine Diaschau: Wald von oben. Mal so nah, dass man einzelne Bäume erkennt, mal so fern, dass die grünen Wipfel sich in einem beinahe ab-strakten Muster verlieren.
Dies, so erklärt uns die Künstlerin, sei ein Verweis auf den Kalten Krieg und auf ein Archiv voller Aufklärungs-Fotos, welches es von diesem Waldgebiet zwischen dem ehemaligen Ost- und Westdeutschland gebe. Ah so.
Archivierung durch Fotografie ist überhaupt Susanne Kriemanns Thema – ob es sich um trockene Blumen, bizarre Felsen oder archäologische Wüstenreisen auf den Spuren Agatha Christies handelt – auch hier mit Luftbildern. Das alles erklärt die Künstlerin sehr schön, man muss es dann nur noch relevant finden...
Politisch weit weniger subtil, dafür aber ungleich spektakulärer ist die Schau des Spaniers Fernando Sánchez Castillo in der Remise. Er zeigt nichts Geringeres als das Schiff des spanischen Diktators Franco. Nach dessen Tod 1975 durfte es die Meere nicht mehr befahren, diente einem Motel als Blickfang. Als es verschrottet werden sollte, lieh sich der Künstler vom Schrotthändler den Schrott für ein Jahr, presste große Teile des Schiffs zusammen und baute aus den Blöcken eine tonnenschwere Skulptur. Die ist nun per Schwertransport in Braunschweig angelangt.
In Spanien ist das immer noch ein heikles Statement zu einer kaum aufgearbeiteten Epoche. Sánchez Castillo: „Dort will niemand etwas davon wissen, da ist meine Arbeit sehr umstritten, es wurde in der Presse heftig diskutiert.“
Ja, es ist ausdrucksstark. In den bizarren Verbiegungen des Stahls, im Splittern des Holzes, im Bersten der Schrauben und Nieten ist eine Brutalität aufgehoben, die ebenso von der Diktatur kündet wie von dem furchtbaren Schrott, den sie hinterlässt.
Zumal Sánchez Castillo in einem Film zeigt, wie das Schiff mit stählernen Greifklauen kaputt gemacht wurde. Das wäre auch von starker Wirkung, wenn man nicht wüsste, dass es sich um Francos Schiff handelt. Wie es da steht auf einem staubigen Platz und dann das Deck zertrümmert wird und der Mast zersägt und die Planken herausgebrochen und wie der Bug des Schiffes abgetrennt über dem Boden schwebt wie ein letztes, titanicmäßiges Aufbäumen, das hat surreale Bannkraft.
Dem gegenüber stellt der Künstler noch alte Aufnahmen von Francos Familie auf dem Schiff, wie sie lachen, angeln und einen Thunfisch totschlagen. Eine unbedingt sehenswerte Installation.
Bis 26. August, Di-So 11-17, Do 11-20 Uhr. Führungen So 14.30, Do 18 Uhr.
