Fliegen lernen mit Frau M.
Magdeburg Magdeburg lockt mit einem schön hergerichteten Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst und den poetischen Bildwelten der Christiane Möbus
Mit Werken von Christiane Möbus, einer Künstlerin, die an der HBK Braunschweig studierte und dann Weltkarriere machte, wurde in Magdeburg das für 3,7 Millionen Euro renovierte Kunstmuseum „Unser lieben Frauen“ eröffnet. Die Künstlerin, heute Professorin in Berlin, wurde berühmt mit Tier-Skulpturen. In Magdeburg wird der Besucher empfangen von einer präparierten Giraffe. Das höchste Tier der Erde schiebt seinen Körper zwischen den Stockwerken hindurch und strahlt dabei eine majestätische Erhabenheit aus.
Die Retrospektive beginnt aber mit einer frühen Foto-Serie, die auf Christiane Möbus’ Sehnsucht nach Vogelfreiheit und auf ihren Begriff des Künstler-Seins verweist: Als sie in Braunschweig ein Stipendium für die USA bekam, verwandelte sie sich mit Federn in ein halbwildes Schamanenwesen, das zu fliegen versucht. Unstet, dauernd unterwegs auf den Flügeln der Fantasie ist sie bis heute. Eine moderne Nomadin.
Es gibt auch Installationen ohne Tiere in dieser Schau. Kompositionen mit armen Materialien wie Stein, Gewebe, Gebrauchsgegenständen. Ihre lyrischen Titel eröffnen assoziative Räume, vor allem Reise-Räume. Ein Paddel vor meerblauen Kordeln heißt zum Beispiel „auf Zehenspitzen über den Ozean”.
Die Tier-Stücke indes sind die einprägsamsten. Das ist eben das Besondere an Möbus. Da vereint sie poetische Geschichten mit einem Schmerz über die Gefährdung der Schöpfung. Da entstehen Gebilde von fragilem ästhetischen Reiz wie etwa ein Schwanenpaar, das sich über zwei weiße Pyramiden erhebt, die als schmelzende Eisberge begreifbar sind. Bilder von Kolibris auf gewaltigen Baumstamm-Scheiben verweisen auf den schwindenden Lebensraum der exotischen Flatterwesen. Zwei Federn in einem Kordel-Quadrat an der Wand mit ihren zarten Schatten entfalten beinahe magische Wirkung. Der bei Theodor Storm entliehene Titel „Der kleine Häwelmann“ verweist wieder auf eine abenteuerliche Reise – aus dem Fenster hinaus. Von düsterer Wucht ist dagegen eine raumfüllende kreisförmige Blende, auf deren Innenseite Geweihe angeschraubt sind. Titel: „In den ewigen Jagdgründen“.
Auch das neueste Werk, ein Krokodil auf einem Rollwagen voller Koffer, spricht vom Tier als Trophäe. Doch etwas unheimlich ist es schon, wie es da kauert und aufs Zurückschlagen lauert....
Bis 6. Mai, geöffnet Di. bis So. 10 bis 17 Uhr.
