Ein Pharao als Souvenir
Braunschweig Andenken vom Nil: In der Burg Darkwarderode zeigt das Herzog-Anton-Ulrich-Museum Schätze aus seiner altägyptischen Sammlung
Wen ein Urlaubsland fasziniert, der denkt an ein Souvenir. Heute ist es oft touristische Massenware, die Ägypten-Urlauber im Gepäck haben. Doch über die Jahrhunderte haben zahlreiche Kunstobjekte den Weg nach Europa gefunden. Auch nach Braunschweig.
Gut drei Monate lang zeigt das Herzog-Anton-Ulrich-Museum ab morgen die Ausstellung „Andenken vom Nil. Altägypten in Braunschweig“ in der Kemenate der Burg Dankwarderode. Rund 120 Objekte werden präsentiert.
Diese stellen nur gut ein Viertel der Objekte dar, über die das Museum verfügt. „Bedingt durch die Struktur der Ausstellung zeigen wir Kunstwerke aus drei Jahrtausenden. Einen solch großen Zeitraum abzudecken, wäre uns in keiner anderen Ausstellung so gelungen“, erklärt Museums-Abteilungsleiterin Regine Marth.
Das Konzept gestattet dem Besucher nicht nur einen Einblick in die faszinierende Welt des alten Ägypten vom 2. Jahrtausend vor bis zum 8./9. Jahrhundert nach Christi Geburt. Gleichzeitig wird auch die Geschichte der Ägypten-Sammlung erzählt. Den Grundstein der Sammlung legte Herzog Anton Ulrich zu Beginn des 18. Jahrhunderts – noch lange bevor die Faszination Ägypten mit den Napoleonischen Feldzügen in den Jahren 1798 bis 1801 in Europa um sich griff.
1754 präsentierte Herzog Carl I. im „Herzoglichen Kunst- und Naturaliencabinett“ der Öffentlichkeit etwa 60 Objekte aus dem alten Ägypten. Darunter befanden sich auch die Statuette des Ptah-Sokar-Osiris und des vergoldeten Horus-Falken. Beide werden auch in der jetzigen Ausstellung gezeigt. Später erwarb er die Statue des Pharaos Philippos III. Arrhidaios (323-317 v. Chr.), die den Höhepunkt der Ausstellung darstellt.
Unklar sei lange gewesen, ob die Figur ein Original ist, so Marth. Heute gilt dies als gesichert. Wenngleich die damals fehlenden Arme an der Skulptur später hinzugefügt sein müssen. Aus diesem Grund ist in der Ausstellung noch ein Gipsabdruck zu sehen, der den Zustand der Figur zum Kaufzeitpunkt zeigt.
„Das ist die weltweit einzige erhaltene Statue, die diesen Pharao namentlich bezeichnet. Darauf sind wir schon ein wenig stolz“, sagt Marth.
Aber auch Exponate wie zum Beispiel Götterstatuen, Amulette, Schmuck oder Fragmente von Mumienfassungen aus den Privatsammlungen des ehemaligen Braunschweiger Dompredigers Heinrich Thiele, des Landwirts und Mäzens August Vasel sowie aus der Sammlung Hermann Dettes sind zu sehen.
Bis 29. Juli geöffnet Di.-So. 10-17 Uhr, Mi. 13-20 Uhr. Bestandskatalog mit allen ägyptischen Objekten 34,80 Euro.
