Das Museumsgebäude ist selbst das schönste Ausstellungsstück
Braunschweig Die ersten Bilder vom Innern des Städtischen Museums Braunschweig nach der nun abgeschlossenen Sanierung offenbaren den Mut zu kräftigen Farben.
Mut zur Farbe kann man Cecilie Hollberg nicht absprechen. Glühendes Dunkelrot wie in Pompei, glückliches Weidegrün und zartes Taubenblau bestimmen die Säle des Städtischen Museums nach der nun abgeschlossenen Sanierung. Die Direktorin geht dabei auf das originale Farbkonzept zurück, das den Jugendstilbau von Max Osterloh bei seiner Gründung 1904 erfüllte.
Es muss an den längeren Vakanzen in der Direktion und zahlreichen Wegbewerbungen der Belegschaft gelegen haben, dass vor Beginn der Sanierung nicht systematisch nach alten Befunden gesucht worden war. Alles sollte weiß gestrichen werden. Gerade noch rechtzeitig trat Hollberg ihr Amt an, um das Schlimmste zu verhindern. „Der Maler wusch in einem Saal des zweiten Stocks die Farbschichten der Jahrzehnte von den Wänden und traf dabei auf die Originalausmalung, unter anderem einen Fries unterhalb der hohen Decke. An sich hätte er nun mit dem Weißen begonnen“, berichtet Hollberg.
Es gelang ihr, das Konzept noch zu ändern, die zusätzlichen Mittel für die farbigen Leinfarben zu beschaffen. „Der Maler hat mir aus eigenem Antrieb den Fries freigelegt, so glücklich war er selbst über diesen Fund.“ In vielen Räumen konnten nun die Friese instandgesetzt werden, die Farbe der Wände ist auf sie abgestimmt.
Immer wieder finden sich auch die „Indianerpfeile“ mit Verweisen auf die damaligen Sammlungsinhalte, etwa „Saal 4 u. 5 Asien und Amerika“. Dort nimmt dann der Fries ein Vogelmuster auf, das sich auf südamerikanischen Stoffen der Völkerkundesammlung von Carl Götting findet. So detailverliebt war damals gearbeitet worden.
Davon hielt man in den 70er Jahren offenbar nichts mehr. Zwischendecken wurden eingezogen, die alten Friese dabei zerschnitten, die Wände weiß überstrichen. „Diese Jahre haben dem Gebäude mehr Wunden zugefügt als die beiden Weltkriege“, pointiert Hollberg.
Im Haupteingang, der nun wieder wie zur Gründung am Löwenwall liegt, sieht man die Welten noch aufeinandertreffen. Eine mit Goldfäden ausgemalte Sternendecke überspannt das Foyer. Rechterhand wurde der zugemauerte Rundbogen wieder freigelegt, der hohe Raum dient demnächst als Museumscafé. Linkerhand jedoch zerschneidet die Zwischendecke noch das Rundbogenfenster, hier sollen Garderobe und Museumsladen untergebracht werden. „Vielleicht kann man das später auch noch rekonstruieren“, sagt Hollberg. Sie muss sich auch aus finanziellen Gründen auf das dringlich Machbare beschränken.
Für konservatorisch nötige neue Fenster und Beleuchtung hatte sie bei der Stadt immerhin mehr Geld erwirken können, als zunächst geplant. „Im Museumswesen rechnet man heute pro Quadratmeter 2000 Euro, da sind Beleuchtung, Vitrine, Beschriftung mit drin. Wir hatten ein Viertel davon!“
So schlummert noch mancher Fries, manche Kapitellbemalung an den Säulen unter weißer Farbe. Die Decke im Treppenhaus bleibt erst mal unrestauriert. Man sieht auch hier verblasste Ausmalungen – neben Wasserschäden und Weiße der 70er. Hollberg: „Wenn sich Sponsoren finden, können wir da weitermachen.“ Bis zum ersten Stock ist dagegen das Treppenhaus herrlich restauriert: Tupfen auf der schwarzen geschwungenen Jugendstiltreppe verleihen einen Anschein von Anthrazit, zartlila Bürstenpunkte lassen die Wand aufregend irisieren.
Hollberg empfindet das Gebäude als Schatztruhe, die selbst ein Schatz ist. Die Objekte werden daher auf Inseln im Raum präsentiert – nichts wird an die Wand genagelt, auch die Beschriftungen auf kleinen Stielen davorgestellt. Noch sieht man nur ein paar leere Vitrinen. Doch Hollberg hat schon die ganze Ausstattung vor Augen: Die Bestände, immerhin 270 000 Objekte, werden nach Sammlungen geordnet. „So spiegelt sich, dass die Bürger ihre Sammlungen, etwa zur Völkerkunde oder zu Manufakturen wie Stobwassers Lackwaren, einst dem Museum überlassen haben“, erläutert sie.
Hell und leer und 19 Meter hoch prangt inmitten des Hauses der Lichthof. Die einst abgerissenen Laubengänge wird man wohl nicht mehr aufbauen. Die Dimensionen wirken daher verschoben, die beiden Balkone wie Schwalbennester. Gerade hier wurde der farbige Fries nur in einem Beispielfeld restauriert. Veranstaltungen, auch Konzerte sollen hier stattfinden. Noch hallt es schlimm, der Akustiker wird erwartet. Im Juni soll eröffnet werden.



