Grelles Licht in stiller Nacht

Salzgitter  Lars Eckerts Bilder und Installationen im Schloss Salder verarbeiten Erinnerungen und Träume.

Erinnerungen, von denen wir uns am Tage erzählen, verdichten sich nachts in Träumen. Räume und Zeiten überlagern sich. Bilder aus der Kindheit, Banalitäten und Höhepunkte – alles wird im Museum Salder lebendig.

Die historische Fachwerkarchitektur des einstigen Stallgebäudes, das nun Kunsthalle ist, kommt den Exponaten entgegen, erlaubt intime Situationen ebenso wie Großzügigkeit und Freiraum. In Zeichnungen, Malerei und Installationen bringt Lars Eckert vergangenes Leben in die Gegenwart, spielt mit Assoziationen, die vielschichtig und generationsübergreifend erscheinen.

Eckert ist ein Erinnerungsmaler. Familienfotos, Bildmaterial aus Zeitungen und Magazinen sind der Fundus seiner Geschichten, die mit moderner Computertechnik gespeichert, überblendet, vermischt und schließlich in Malerei verwandelt werden.

Die Suche nach dem Vater, der starb, bevor das Kind denken konnte, dokumentiert ein verblasstes Soldatenfoto, das noch schwache Bildvorstellungen nährt. Ein anderer hält den kleinen Sohn an der Hand und zeigt ihm die Heimat. Ein dritter präsentiert sich stolz mit Söhnen und Hund vor einem Baudenkmal. Lars Eckert malt Nachtbilder mit Träumen von erlebten Situationen. Tiefes Violett und finsteres Blau verschlucken alle Details, neongrelles Licht setzt aufblitzende Akzente. Aus dunklen Flecken, grauer Verschwommenheit, weißen Gedächtnislücken formt sich die Erinnerung, rot dominieren die ersten konkreten Imaginationen.

Eine Kindheit nach dem Krieg, Familienleben in den 60er Jahren, viele Facetten bürgerlicher Alltagsszenen werden zu vertrauten Entdeckungen. Tontrennung bis zum Scherenschnitt-Kontrast bestimmt diese Malerei.

Und sie wird perfektioniert in einer Serie von Holzschnitten. Interieurs, Genrebilder, Gegenwart oder Vergangenheit schneidet er aus dem Holz, keine Schnittspuren, nur Flächen, Linien, Punkte formen das Motiv. In dieser archaischen Technik ist Eckert ein Meister.

Beachtenswert sind auch die locker gehängten kleinen Tuscheskizzen, die als knapp geformte erste Ideen einen Reichtum an Gedanken zu „Onkel Tobys Plan“ frei nach Laurence Sternes Roman „Tristram Shandy“ von 1760 entwickeln.

Schließlich eine Installation aus kleinen Hauszelten, wie sie für Wandernächte, aber auch Notfälle und Flüchtlingslager nützlich sind. Hier im dunklen Raum aufgebaut suggerieren sie eine stille Nacht. Aus anderen Blickwinkeln aber erschrickt grelles Scheinwerferlicht. Die Stille ist trügerisch und allgegenwärtige Überwachung eine Bedrohung.

Lars Eckerts künstlerische Stärke ist die geheimnisvolle Ruhe, die hinter klar geformter Gestaltung steckt und Mehrdeutigkeit zulässt. Alles könnte plötzlich eine Wendung nehmen, Sicherheit ist eine Illusion. Die Erinnerung ein edles, brüchiges Gewebe.

Bis 3. August in der Städtischen Kunstsammlung Salzgitter Salder, Museumsstr. 34, geöffnet Di. -Sa. 10 – 17 Uhr, So. 11 – 17 Uhr.

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