Aus! Sammlerpaar Bönsch zieht Kunstwerke wieder ab

Braunschweig  Die Kunststiftung Bönsch verlässt nach sechs Jahren Braunschweig. Den Aufhebungsvertrag haben beide Seiten am Montag Morgen unterzeichnet.

Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch, Kunstsammler.

Foto: Klaus Helmke

Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch, Kunstsammler. Foto: Klaus Helmke

Aus und vorbei. Die Kunststiftung Bönsch verlässt nach sechs Jahren Braunschweig. „Wir haben den Aufhebungsvertrag heute Morgen unterzeichnet“, teilte Dr. Hans-Joachim Bönsch am Montag unserer Zeitung mit. Schon am Dienstag fährt Elisabeth Bönsch nach Köln, um einen „für die Unterbringung unserer Kunstsammlung“ geeigneten Raum zu finden.

Das Wolfsburger Sammler-Ehepaar sieht in Braunschweig für die Zukunft ihrer auf weit mehr als 30 Millionen Euro geschätzten Kunstsammlung der klassischen Moderne keine Zukunft mehr, da sich an der Haltung „der Stadt Braunschweig definitiv nichts ändern“ werde. So habe Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse erklärt. sie habe „nicht einmal das Geld für Porto und Einladungen zu einer Ausstellung, keine Zeit dafür und kein Personal“.

Auch Oberbürgermeister Gert Hoffmann habe es abgelehnt, mit Elisabeth Bönsch „über unsere Sorgen zu sprechen“. So sei keine andere Wahl geblieben, „als die Zusammenarbeit mit der Stadt Braunschweig aufzulösen“. Die in Wolfsburg ansässigen Sammler werfen der Stadt Braunschweig vor, Ausstellungen unsachgemäß gemacht zu haben. Es habe am für die Graphik zwingend nötigen UV-Schutz in Ausstellungsräumen und Depots gefehlt, museumsgerechte Wechselrahmen seien erst von den Stiftern beschafft worden, das Problem Feuchtigkeit in den Räumen ungelöst.

Doch in Details will das Ehepaar Bönsch nicht gehen. Sie bedauern, so Elisabeth Bönsch, dass „wir nicht ernst genommen worden sind“. Zwar habe es acht Ausstellungen gegeben, aber seit Januar 2010 „ist Funkstille“, denn es wurde keine Kunst mehr aus der Sammlung Bönsch präsentiert. Es sei „schmerzlich“, sagte Elisabeth Bönsch, „dass mein 83 Jahre alter, von einer schweren Krankheit gezeichneter Mann sich mit solchen Schwierigkeiten befassen muss“.

Im von beiden Seiten geschlossenen Aufhebungsvertrag verpflichtet sich die Stadt Braunschweig, die Transportkosten für eine fachgerechte Rückführung der überlassenen Werke innerhalb Deutschlands bis zum 1. Januar 2013 zu übernehmen.

Vor sechs Jahren fing alles mit großen Erwartungen an. In der Präambel des Vertrags steht: „Die Möglichkeit, die Kunstsammlung Bönsch dauerhaft in der Stadt Braunschweig zu verankern, wird als kulturelle Bereicherung von höchstem Rang eingeschätzt“. Im Dezember 2010 erhielten die Wolfsburger Kunstsammler die Bürgermedaille Braunschweigs in Anerkennung ihrer „Verdienste um die besondere Förderung des allgemeinen Wohls“.

Wie geschätzt die Sammlung ist, zeigt, dass die Financial Times Deutschland und die Frankfurter Allgemeine im Juni 2008 über die Max-Liebermann-Ausstellung im Städtischen Museum Braunschweig berichteten. Liebermann ist mit 450 Werken ein Schwerpunkt der 7000 Arbeiten umfassenden Sammlung, zu der Barlach-Plastiken, Arbeiten von Käthe Kollwitz, Kokoschka, Max Slevogt gehören. Versuche, sie in Göppingen und Wolfsburg unterzubringen, schlugen zuvor fehl. Sie fanden bundesweites Presse-Echo.

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