Die Schönen, ihre Posen, ihre Unbefangenheit, ihre Blicke

Sanremo 1949. Momente der Pause, die der Fotograf gern nutzte. Foto): Federico Patellani, in „La piú bella sei tu“, Zeithaus der Autostadt.

Sanremo 1949. Momente der Pause, die der Fotograf gern nutzte. Foto): Federico Patellani, in „La piú bella sei tu“, Zeithaus der Autostadt.

Wolfsburg. Beneidenswert nahe war Federico Patellani den Schönen Italiens. Im Auftrag von „Tempo“ 1947 zur zweiten Miss Italia gesandt, kam er Jahr für Jahr wieder, um von den „concorsi“, den Schönheits-Wettbewerben in Sanremo und Salsomaggiore, zu berichten. Sofia Loren, Gina Lollobrigida, und Lucia Bosé machten als „Mädchen von nebenan“ mit und begannen da ihre Filmkarrieren.

Die Autostadt zeigt 40 dieser Bilder in einer neuen Ausstellung im Zeithaus. „Und die Schönste bist du“ (la più bella sei tu), die am Samstag, 7. Juli, innerhalb der Sommer-Inszenierung „Bella Italia“ eröffnet wird. Es ist eine Ausstellung, die bereits erfolgreich im Centre National de la Photographie in Paris und im niederländischen Fotomuseum in Rotterdam lief.

Federico Patellani verfügte über Erfahrungen aus dem Film. 1939 schon machte er mit Carlo Ponti den Streifen „Piccolo mondo antico“ (Regie: Mario Soldati). 1953 arbeitete er für Alberto Lattuadas as Regieassistent für den Film „La Lupa“. Und er fotografierte für Dino de Laurentiis fast alle Stars des damaligen italienischen Kinos. Diese Aufnahmen zählen bis heute zu den besten. des italienischen Kinos.

Also machte er sich auf, nicht nur die Miss-Wahlen zu fotografieren, sondern auch das Warten der Frauen, ihre Posen, ihre Zeremonien, ihre Erwartungen, ihre Defilees, ihre Langeweile, ihre Vorbereitungen, ihre Vergnügungen und die Blicke der Männer. So fing er mit seiner Kamera diese Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg ein, die fröhliche Unbefangenheit einer neuen Generation junger Frauen, die sich sehr weiblich gaben, aber auch sehr selbstbewusst. Er hatte auch einen Blick für kuriose und belanglose Vorkommnisse.

Fotoreportage, auch Fototesti waren ein Thema für Patellani. Er gilt wie Heinrich Heidersberger als Pionier dieser Gattung. In den Fototesti verband er Bild und Text. Somit hob er die Fotografie heraus aus ihre Rolle der Illustration zu einem eigenen Mittel des Journalismus.

Patellani (1911 bis 1977), ein studierter Jurist, sah sich der Wirklichkeit und der Ästhetik im Bildaufbau verpflichtet. Sein Nachlass umfasst rund 700.000 Negative. Thomas Köhler, Direktor und Vorstand der Stiftung Berlinische Galerie, Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur, hat diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit „siebenhaar art projects“, Frankfurt für den bis 2. September dauernden italienischen Sommer der Autostadt.

Die Autostadt inszeniert Bella Italia aufgrund des Jubiläums „50 Jahre Italien in Wolfsburg“ als ein Land mit hoher Lebenskunst.

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