Erste Blicke in das renovierte Städtische Museum

Braunschweig  Nach vier Jahren Umbau wird das Städtische Museum Braunschweig am Sonnabend mit einem Familienfest wiedereröffnet. Wir machten einen ersten Durchgang.

Restaurieren gehört zum Handwerk der Museumsleute. Vier Jahre lang wurde in Braunschweig das ganze Städtische Museum restauriert. Das Gebäude. Und auch noch über die Hälfte der 1500 Objekte, die nun in der neuen Dauerausstellung gezeigt werden. „Das schönste Ausstellungsstück ist das Museumsgebäude selber“, betont Direktorin Cecilie Hollberg. Tatsächlich wurde bei der Sanierung versucht, möglichst viel von der Architektur und Raumgestaltung des 1906 eingeweihten Gründerzeitbaus wieder freizulegen. Denn der funktionale Zeitgeschmack der 1970er Jahre hatte dazu geführt, dass etwa im Lichthof Brücken gespannt und im obersten Geschoss Zwischendecken eingezogen wurden. Man wollte vor allem mehr Ausstellungsfläche schaffen. Als etwas vollgerümpelt erinnern wir heute diese Säle.

Alle Einbauten wurden nun wieder entfernt, alte Deckenfriese freigelegt und, darauf abgestimmt, eine farbige Ausmalung der Wände vorgenommen, die dem damaligen Geschmack entspricht. Er ist, das kann man gern zugeben, einer, der uns heute wieder näher liegt. Längst ist ein Bekenntnis zu Geschichte und Tradition wieder möglich, auch ästhetisch. Inhaltlich führen die Säle bürgerliches Selbstbewusstsein und gesellschaftliches Engagement des 19. Jahrhunderts vor, als Braunschweiger Bürger ihre Sammlungen dem Museum verehrten. So etwa kam Carl Göttings überraschende Völkerkundesammlung ins Haus, die von der Indianertrommel bis zum kunstvoll geschnitzten Elefantenzahn Objekte aus allen Erdteilen enthält. Der Braunschweiger Klavierbauer Theodor Steinweg schenkte seine Instrumentensammlung, Walter Dexel im 20. Jahrhundert seine Formsammlung mit Gläsern, Vasen, Gebrauchsgut quer durch alle Epochen. Das Stifterprinzip könnte weiterwirken.

Besonders die Braunschweiger Kunsthandwerkskunst wird dokumentiert: Stobwassers Lackwaren, Braunschweiger Fayence, Schränke und Silberwaren, Porzellan der braunschweigischen Manufaktur in Fürstenberg, die zeitweise auch in Braunschweig fertigte.

Die südlich-rote Wandfarbe, wechselnd mit sattem Grün und kühlem Blau, gibt den Räumen Kontur, Wärme, Ausstrahlung. Und darin glänzen nun die unter 270.000 Objekten ausgewählten Exponate. Sie wurden nicht an die Wände geklebt, sondern stehen frei auf Inseln im Raum oder hängen an eingestellten Flächen. So bekommen sie Luft und individuelle Wertschätzung. Besonders geglückt ist das bei den Braunschweiger Silberarbeiten, beim Fürstenberger Porzellan und den Objekten der Völkerkundesammlung. Auch einige der Gemäldesäle lassen so den Raum, als Betrachter zurückzutreten, die Gemälde stören sich nicht. Und es ergeben sich Durchblicke durch mehrere Epochen.

Es gibt aber auch Räume, die noch mal nachjustiert werden sollten. Da wurde etwa ausgerechnet im Saal mit den Landschaftsgemälden doch wieder zugunsten vermehrter Ausstellungsfläche eine Wand eingezogen, die den ohnehin schmalen Raum nun teilt. Es entstehen zwei hohle Gassen. Ein Zurücktreten, um die Großformate wirken zu lassen, ist nicht möglich. Auch im Porträtsaal, der höfische und bürgerliche Porträts gegenüberstellt, stören die grauen Raumteiler.

Zunächst aber wird man sich freuen dürfen an der gelungenen Wiederinstandsetzung, den herrlichen Raumfarben, die auch die wunderbaren geschwungenen Jugendstilformen im Treppenhaus wieder zur Geltung bringen. Und natürlich an den nun in neues Licht geholten Einzelobjekten, die erst noch genauerer Bewunderung bedürfen.

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