Porträts sind mehr als Gesichter

Hannover  Schwarzweiß-Bilder der legendären FAZ-Fotografin Barbara Klemm in der Kestner-Gesellschaft Hannover

Neo Rauch

Neo Rauch

Die Leinwand scheint übermächtig, die gemalten Figuren überlebensgroß. Davor der Künstler, schmal, farbbeschmiert, er wendet sich heftig ab, scheint beinahe zu flüchten vor seinen eigenen Kreaturen.

Das Foto, das Barbara Klemm von Neo Rauch gemacht hat, muss aus der Beobachtung entstanden sein. Sie muss ihm eine ganze Weile einfach nur zugeschaut haben. Da ist nichts gestellt, sondern gebannt ist ein Moment einer großen Spannung zwischen Künstler und Werk.

Ganz anders Joseph Beuys. Er fixiert den Beobachter genau, geradezu herausfordernd. Er flüchtet nicht aus dem Bild, sondern begreift sich als Bestandteil seines Werks.

Die Schwarzweiß-Fotos der legendären FAZ-Fotografin von Künstlern, Schriftstellern und Musikern in der Kestner-Gesellschaft Hannover sind, verglichen mit heutigen Hochglanz-Fotoshop-Produkten, technisch nicht alle perfekt. Da sind die Gesichter mitunter von einer Kopfbewegung in die Unschärfe gerissen, da zerfließen sie manchmal grau-flau im Gegenlicht.

Was diese Fotos dennoch beispielhaft für sensiblen Menschen-Journalismus macht, ist die Konzentration der Künstlerin auf die Umgebung, die Ateliers, die manchmal streng kahlen, manchmal papierzerstapelten Schreibstuben, die mal in sich gekehrten, mal ins Weite schweifenden Blicke.

Anzusehen ist den Bildern, was im hektischen Fotojournalismus selten ist: Geduld und Einfühlung. Die Porträtierten korrespondieren mit ihren Umräumen. Es ist das Auf-sich-wirken-Lassen der Fotografin, das die Wirkung erzielt, man würde den jeweiligen Menschen tatsächlich in seiner besonderen Persönlichkeit kennenlernen (bis 29. April).

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