Die drei von der Kunsthalle

Braunschweig  Die HBK und das Photomuseum planen in Braunschweig ein internationales Ausstellungszentrum. Die Stadt soll Geld dazu geben

HBK-Präsident Hubertus von Amelunxen (Mitte), sein Vorvorgänger Michael Schwarz (links) und Photomuseums-Leiter Florian Ebner wollen drei Industriehallen an der Hamburger Straße zum Ausstellungszentrum umbauen.

Foto: Jasper

HBK-Präsident Hubertus von Amelunxen (Mitte), sein Vorvorgänger Michael Schwarz (links) und Photomuseums-Leiter Florian Ebner wollen drei Industriehallen an der Hamburger Straße zum Ausstellungszentrum umbauen. Foto: Jasper

Seine Begeisterung ist ansteckend. Um große Worte ist er nicht verlegen: „Wir wollen hier Ausstellungen präsentieren“, sagt Hubertus von Amelunxen, „die sich weltweit sehen lassen können. Und wir wollen Ausstellungen aus der ganzen Welt hierher holen. Für geradezu lächerliches Geld. Wir machen der Stadt ein gigantisches Geschenk!“

Ortstermin in leeren Hallen. Amelunxen, Präsident der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, hat sich zusammengetan mit seinem Amts-Vorvorgänger Michael Schwarz, der heute Vorsitzender des Museums für Photographie ist, und dessen Leiter Florian Ebner.

Die drei geben sich als verschworenes Freundes-Trio zum Wohle der Kultur in dieser Stadt. Ihr Plan: Das sogenannte Raum-Labor an der Hamburger Straße, welches der HBK 2010 im Rahmen des Solidarpaktes II von der Stadt Braunschweig überlassen wurde, um zwei weitere Hallen zu erweitern.

Die Hallen sind derzeit frei. Sie seien in gutem Zustand, der Sanierungsbedarf gering, erklärt Amelunxen. Genügend Parkplätze seien vorhanden. „Es gibt den griechischen Begriff des Kairos“, beschwört er, „das ist der glückliche Augenblick. Wir haben jetzt genau den Augenblick, unsere Vision zu verwirklichen.“

Die 400 Quadratmeter des Raum-Labors würden sich durch die beiden durch Wanddurchbrüche miteinander verbindbaren Hallen auf 1500 Quadratmeter erweitern.

Die HBK plant, in diesen Hallen vor allem die Werke ihrer Lehrenden zu zeigen, vor allem der 20 Professoren für Freie Kunst. Amelunxen: „Die stellen in aller Welt aus, nur in Braunschweig nicht. Wir wollen den Braunschweigern zeigen, was sie hier haben!“ Ausstellungen sollen konzipiert werden, die von hier aus dann in andere Orte reisen.

Umgekehrt sollen auch Ausstellungen von auswärts an der Hamburger Straße zur Diskussion gestellt werden. „Die Straße ist das Tor zur Welt!“, schwärmt Amelunxen. Das Ambiente zwischen Zeitungsverlag, Stadion und Weltfirmen wie VW und Financial Services werde bald eine deutliche Aufwertung erfahren, ist sich der HBK-Präsident sicher.

Auf die Frage, ob nicht dennoch ein Kunst-Quartier in der Innenstadt attraktiver wäre, entgegnet Michael Schwarz mit der Gelassenheit einer langen Erfahrung: „Natürlich kann man das wünschen. Aber das wünscht man dann wahrscheinlich in 20 Jahren noch.“

Das Museum für Photographie, das bisher die Torhäuschen an der Helmstedter Straße bespielt (und dies auch weiterhin tun wird), will das neue Kunstquartier für Ausstellungen nutzen, die den Rahmen der dortigen Räume sprengen.

Während die HBK bisher im Raumlabor im Wesentlichen ihre Meisterschüler ausgestellt hat, setzte Ebner mit der Aufsehen erregenden „Shoot“-Schau 2010 einen Akzent. Wenn die neuen Hallen dazukommen, will er ab diesem Sommer das Projekt „Kairo – offene Stadt“ präsentieren, für dessen Konzept er Unterstützung der Bundeskulturstiftung bekommt. Die HBK plant als erstes eine Schau ihres Bildhauer-Professors Bogomir Ecker, die später nach Brüssel reisen soll.

Was dem Plan noch im Wege steht, ist das Geld. 70 000 Euro für das Jahr 2012 sowie je 140 000 Euro für die beiden folgenden Jahre einer dreijährigen „Pilotphase“ haben die Macher als Mehrbedarf für das Photomuseum von der Stadt veranschlagt. Leider sei dies nicht in einen Antrag der Verwaltung aufgenommen worden, immerhin aber in einen Antrag der Grünen-Fraktion.

Für die HBK ist VW Financial Services laut Amelunxen als Hauptsponsor bereit, weitere 140 000 Euro jährlich beizusteuern – aber nur, wenn auch die Stadt das Geld gebe. Außerdem hoffen die Partner, dass die Stadt in den drei Jahren 200 000 Euro in die kunstgerechte Gebäude-Ausstattung investiert.

„Im Stadtrat gilt offenbar derzeit die Devise: Sparen und Wahlen gewinnen“, mutmaßt der HBK-Präsident. Kann man denn nicht auch mit einer kulturell ausstrahlenden Idee Wahlen gewinnen? Michael Schwarz: „Geben Sie uns die Chance, in ein, zwei Projekten zu zeigen, was wir können!“

Braunschweigs Kulturdezernentin Anja Hesse erklärte auf Anfrage, dem Rat liege für seine Sitzung am 28. Februar ein gemeinsamer Antrag der Grünen und der SPD vor – dahingehend, dass die Verwaltung das Projekt prüfen und bewerten möge. „Ich will dem Rat nicht vorgreifen.“

Barbara Schulze, Sprecherin der Grünen-Fraktion erklärte, man habe den ursprünglichen Antrag für das Kunsthallen-Projekt an der Hamburger Straße inzwischen mangels Erfolgsaussichten zurückgezogen – zugunsten des interfraktionellen Prüfungs-Antrags mit der SPD.

Oberbürgermeister Gert Hoffmann hat sich jüngst in einem Brief zurückhaltend zum Projekt geäußert. In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, verweist er auf andere kulturelle Projekte und finanzielle Belastungen für den Haushalt.

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