Altes Kloster – ganz schlicht in neuem Licht
Braunschweig Neu konzipierte Dauerausstellung im Ausstellungszentrum Hinter Aegidien des Braunschweigischen Landesmuseums
Dass zum Pressetermin nur ein einziger Medienvertreter erschienen war, trübte die Laune von Museumsdirektorin Heike Pöppelmann nur kurz. „Das spiegelt die Lage“, meinte sie illusionslos. „Dieses Ausstellungszentrum liegt im Dornröschenschlaf. Wir wollen es jetzt wachküssen. Mit Licht.“
So trägt die neue Dauerausstellung in dem ehemaligen Benediktinerkloster, den nicht ganz unbescheidenen biblischen Titel „Und es ward Licht“. 150 000 Euro hat sich das Braunschweigische Landesmuseum, zu dem das Ausstellungszentrum Hinter Aegidien gehört, die Neugestaltung kosten lasten. Zwei Drittel kamen von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, der Rest aus Eigenmitteln.
Die Grundidee könnte man frei nach Berti Vogts mit dem Satz umschreiben: Der Star ist der Raum. Oder, mit den Worten Pöppelmanns: „Die Architektur gibt den Rahmen vor, sie sollte mit den Exponaten eine Einheit bilden.“
Und da besteht die Kunst eben darin, eine Aura zu schaffen. Eine atmosphärische Ahnung vom christlichen Mittelalter, ein Gefühl für die Menschen, die in dem 1115 gegründete Kloster über Jahrhunderte abgeschieden von der Welt in heute unvorstellbarer Demut und Frömmigkeit zusammenlebten. Unvorstellbar, weil extrem entgegengesetzt zu den heutigen Maximen der Spaßgesellschaft und der Selbstverwirklichung. Darauf stimmen uns leise gregoriranische Gesänge am Eingang ein und Auszüge aus den Benediktiner-Regeln, die den Rundgang begleiten: „Albernheiten, müßiges und zu Gelächter reizendes Geschwätz verbannen wir für immer“, heißt es da etwa streng. Die Mönche werden ermahnt, nicht nach eigenem Gutdünken und eigenen Gelüsten zu leben, sondern zu gehorchen und „die Geduld zu umarmen“.
Den schlichten, mit Informationen und meditativen Fotos versehenen Lichtsäulen gelingt es tatsächlich, die plastische Wucht der romanischen Gewölbe mit seinen Deckenmalereien, der Säulen und Kapitelle herauszuarbeiten, ohne dem Raum seine leicht dämmrige sakrale Anmutung zu nehmen.
Die wenigen Exponate – restaurierte Stücke aus dem Besitz des Museums sowie Dauerleihgaben – sind dezent in den Raum eingepasst: etwa Mitra, Gürtel und Stab eines Abts, hölzerne Marien-Skulpturen, ein Bleikästchen voller winziger Reliquien, Farbige Glasfenster-Fragmente. Besonders stolz ist Projektleiterin Meike Buck auf die fein verzierte Haube einer Frau, die 1722 bei der Geburt ihres fünften Kindes im Alter von 29 Jahren starb und in der Aegidienkirche bestattet wurde.
Über die Benediktiner sowie Entwicklung und Bedeutung ihres Klosters von der Gründung über die (Selbst-)Auflösung 1528 bis zum „Vaterländischen Museum“ informieren Modelle, Bilder und Texttafeln. Daran, dass das Kloster vorübergehend auch als Gefängnis diente, erinnert die Einritzung eines Gefangenen. Todesurteile wurden im ehemaligen Klosterhof vollstreckt.
Kritikpunkt: Die Präsentation ist schon etwas textlastig. Aber man muss nicht alles lesen, um einzutauchen in den Kosmos der mittelalterlichen Mönche.
Eröffnung am Sonntag um 14 Uhr, geöffnet Fr.-So. 10-17 Uhr.
