Alles aufgenommen und gesammelt im Gehirn und im PC
Wolfsburg Der italienische Künstler Carloalbert Treccani reflektiert in Fotografien, Skulpturen und Papierarbeiten, wie PCs die Kommunikation beeinflussen.
Weiße Wände, weiße Decken, nur wenige Bilder sind gehängt, nur wenige Installationen in den Raum gestellt. Bild und Installation beziehen sich aufeinander, aber nicht immer. Aber die gesamte Ausstellung hat Carloalberto Treccani in einen thematischen Zusammenhang gestellt. Der 28-Jährige, in Brescia (Italien) geborene Künstler greift „Memory“ auf: das Erinnern, das Gedächtnis des Menschen; aber auch den Speicher des Computers. Und er stellt sie in einen Bezug zur Zeit.
„When the sun disappears behind the mountain,it‘s actually already been gone for 8 minutes“, steht wie ein Motto über seiner ersten Ausstellung im Deutschland, hier in der Ladengalerie des Vereins Junge Kunst in der Wolfsburger Schillerstraße. Damit erinnert er an das Phänomen, dass wir Sterne am Himmel sehen, die leuchten, aber längst verloschen sind, dass das menschliche Auge mit Zeitverzögerung auch Vorgänge am Himmel erst wahrnimmt.
Zeit bezieht Carloalberto Treccani in seine Arbeiten wie eine vierte Dimension ein. „Sehr viel Zeit“, erläutert der junge Künstler aus Italien am Mittwochvormittag Journalisten, habe er darauf verwandt, unzählige, überwiegend blaue Disketten zu einer Säule zu stapeln. Sie ist nun eine der Installationen in der Ladengalerie des Vereins Junge Kunst. Eine kleinere hat er zwischen Decke und Wandabsatz geklemmt. Die Disketten sind zwar moderne Computer-Produkte, aber schon aus der Zeit gerutscht. Die nachwachsende Generation kennt sie gar nicht mehr. Was auf ihnen gespeichert ist, geht verloren oder muss überspielt werden auf neue Speicher wie CDs. Dazu bedarf es ebenfalls wieder der Zeit. Zeit, um aufzuzeichnen, zu sortieren, zu übertragen, zu erinnern, zu löschen.
Treccani, der seine dazu passenden Fotografien nur auf dem Rechner generiert, geht kritisch mit dem Thema „Memory“ um. Auch mit „google map“. „In Google we trust“, auf Google vertrauen wir blind, sagt er. Und überlegt Karten, Himmelsbilder und Luftaufnahmen aus altehrwürdigen, gedruckten Bildbänden mit von ihm am PC erdachten Routen. Der moderne, sich frei fühlende Mensch wird observiert.
Die Eröffnung ist heute Abend, 19.30 Uhr. Bis 10. November, dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr. Verein Junge Kunst. Wolfsburg in Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut Wolfsburg.
