Ägypten – die Revolution der Bilder
Braunschweig Die Großausstellung „Kairo. Offene Stadt“ von Photomuseum und HBK Braunschweig zeigt packende Dokumentarfotos und künstlerische Bilder der Revolution.
Noch nie in der Geschichte hat eine Revolution so viele Bilder hervorgebracht wie der Arabische Frühling in Ägypten. Zahllose der zehntausende Demonstranten in Kairo waren zugleich Dokumentaristen. Mit ihren Handys haben sie den Ausbruch der Revolution im Januar 2011 auf dem Tahrir-Platz ebenso festgehalten wie die dramatischen Ereignisse in den Monaten danach.
Zu Schnappschüssen und Filmen aus dem Zentrum der Proteste kommen professionelle Dokumentarfotos ägyptischer und internationaler Berichterstatter, aber auch künstlerische Aufnahmen. Massenhaft durch Zeitungen und das Internet verbreitet, wurden einige Fotos zu Ikonen. Die Proteste schufen starke Bilder, die ihrerseits die Entwicklung der Revolution beeinflussten.
All diesen Aspekten will die Ausstellung „Kairo. Offene Stadt. Neue Bilder einer andauernden Revolution“ gerecht werden. Es ist die bisher wohl größte Schau zum ägyptischen Umbruch in Deutschland.
Photomuseum und Kunsthochschule Braunschweig haben sie mit Unterstützung der Bundes-Kulturstiftung und des Goethe-Instituts in drei ehemaligen Industriehallen an der Hamburger Straße 267 eingerichtet. Der provisorische Charakter entspricht der Offenheit der Entwicklung in Ägypten.
Die Schau eröffnet packende Einsichten – etwa in den großformatigen Fotostrecken von Bildredakteuren der Zeitung Al-Shuruk. Sie vermitteln eine dynamische Aufbruchstimmung. Wogende Mengen, tausende emporgereckte Arme, junge Gesichter, glühende Augen, eine Phalanx von Kopftuchträgerinnen, die alles andere als unpolitisch und fremdbestimmt wirken.
Stiller und tief berührend dagegen die Serie, die der Fotograf Denis Dailleux den Todesopfern der Proteste widmet. Je drei Fotos bilden ein Triptychon. Eines zeigt die harten, schicksalsergebenen oder trotzigen Gesichter der Hinterbliebenen. Ein zweites, wie sie der Verstorbenen ihrerseits mit Fotos, Plakaten oder kleinen Altären gedenken. Ein drittes die ärmliche Wohnumgebung, in der diese doppelt getroffenen Menschen leben.
Florian Ebner, scheidender Leiter des Photomuseums, und seine Assistentin Constanze Wicke waren mehrfach in Kairo. Sie haben ägyptische Künstler und Fotografen dafür gewonnen, selbst Teile der Schau zu kuratieren. Einige begleiten die Eröffnung in Braunschweig.
Neben Dokumentarfotos finden sich auch künstlerische Positionen. Etwa die Collagen Nermine Hammams, die Aufnahmen von Soldaten am Rand der Proteste in heroische Landschaften montiert, um die Zwitterrolle des Militärs zwischen glorreicher Vergangenheit und fragwürdiger Gegenwart zu betonen.
In einer dritten Ausstellungshalle sind Arbeiten zu finden, die HBK-Studenten in Kairo bei einem Workshop mit ägyptischen Studenten gestaltet haben.
Bis 23. Dezember Di-Fr 14-19, Sa und So 11-18 Uhr, Kunstquartier Hamburger Straße 267. Eintritt 4/7 Euro.
