Engel, Luchs und Dackel – alle in Öl

Mein perfektes Wochenende:  Yvonne Behring malt, was ihr gefällt. Ihre Models sind Fotos.

Lichtdurchflutet das Atelier. Ein ganzes Bündel Sonnenstrahlen fällt auf zwei Köcher auf einem Schreibtisch, in denen 22, 23, 24 und noch mehr Pinsel stecken. Wären die Stiele Stängel und die Borsten Blüten, dann würden sie sich dem Sonnenlicht entgegenstrecken. Dafür blühen drei hellblaue Hyazinthen im Raum und verströmen ihren frühlingshaften Duft.

Im Hintergrund spielt leise das melancholische „Mr. Bojangles“ im Radio. Sammy Davis Jr. singt.

Vier Staffeleien stehen im Raum. Ein Dackel – ganz offenbar als Jagdhund – blickt den Betrachter treu an. Nebenan auf der Staffelei blickt eine Katze aus dem Bild, unwillkürlich möchte man sie streicheln. Ein zweiter Hund schaut sehr aufmerksam drein (treu blickt ja schon der Dackel).

Vor der größten Staffelei im Zimmer sitzt Yvonne Behring und betrachtet zwei eng, ja zärtlich umschlungene Engel. Sie ist zufrieden mit ihrer Arbeit. „Raffael hat mich dazu inspiriert“, sagt sie lächelnd. Und so, wie sie es sagt, versteht man sofort, weshalb ihre Homepage www.malen-macht-gluecklich.de heißt.

Dass wir uns recht verstehen: Mit Raffael ist der italienische Renaissancemaler gemeint.

Engel allerdings sind im Werk von Yvonne Behring derzeit in der Minderzahl. „Meine Lieblingsmotive sind Tiere. Am allerliebsten male ich Hunde, Jagdhunde. Das ist irgendwie so gekommen“, sagt sie und schmunzelt, denn der Hund des Hauses – ein Golden Retriever – kommt ins Atelier getrottet und will ausprobieren, ob der Besucher auch Hunde streichelt.

Mit der Malerei begann es für Yvonne Behrens – Jahrgang 1969 – schon früh. Allerdings müssen diese Werke der Kategorie Kindermalerei zugeordnet werden. „Oft habe ich bei meinem Vater im Büro gesessen, wenn er seine Buchhaltung machte. Er schenkte mir einen Filzstift, und er gab mir Papier. Und dann habe ich gemalt. Einen Elefanten, Palmen – na ja, eben so etwas“, erinnert sie sich.

Künstlerisches Talent war zweifellos in der Familie vorhanden. Der Großvater, so erzählt sie, hat auch gemalt. Sie jedenfalls hat das Handwerk des Schilder- und Lichtreklameherstellers gelernt. „Und das war wirklich noch Handwerk. Von Computern weit und breit noch keine Spur“, sagt sie und freut sich, dass sie als Malerin dem Hand-Werk treu geblieben ist.

Der Weg dorthin hat aber auch seine eigene Geschichte. „Meine Schwiegermutter wollte mich als Beraterin dabei haben, als sie in einem Atelier im Magni-Viertel ein Bild kaufen wollte. Und dort entdeckte ich ein Angebot für Malkurse“, erzählt Yvonne Behring. Solch einen Kursus belegte sie. Und bald reute sie das Geld, das sie dafür ausgeben sollte. „Ich bin nicht mehr hingegangen. Ich hab mich mit Versuch und Irrtum selbst unterrichtet.“

Jetzt, nachdem die beiden Töchter aus dem Haus sind, sollte sie massenhaft Zeit zum Malen haben. „Da ist mein Mann – ein ambitionierter Jäger –, da ist das Haus, der Garten, da ist der Hund, da ist die Büroarbeit in unserem Betrieb – da ist immer so viel zu tun, dass nur eines hilft: Ich muss mir die Zeit ganz bewusst nehmen, wenn ich malen will, sonst wird das nichts.“

Zurzeit sitzt sie an einem Tierbild. „Ich male zuerst mit Acrylfarbe vor – Konturen, Details, bedarfsweise Fellzeichnung und so weiter. Dann male ich weiter in Öl“, erklärt sie und zeigt, wie es gemacht wird.

Die Arbeit am Luchs/Ozelot lässt ahnen, dass die Künstlerin nicht mit lebenden Modellen arbeitet. „Stimmt“, sagt sie. „Fotos und Bilder sind meine Models. Ich male aber nicht fotorealistisch.“ Und so kommt es, dass sie fotografiert, was ihr gefällt, um es dann zu malen. Oft stecken Fotos in Briefen, die sie erhält, oder Fotos werden E-Mails angehängt, alles mit der Bitte, das Motiv zu malen. Das macht sie dann.

Und wer es möchte, dem zeigt Yvonne Behring, wie es mit der Malerei klappt. „Man braucht nicht viel, wenn man nicht gänzlich talentfrei ist. Leinwand, Farbe, Pinsel und ein Motiv“, sagt sie. Und schon sind wieder ein paar Menschen glücklich.

Es bewölkt sich. Die Sonne knipst im Atelier gewissermaßen das Licht, aus und im Radio gibt es Nachrichten.

DAS SPIEL DER FARBEN

Freie Malerei ist nicht jedermanns Sache. Und Malen nach Zahlen ist einfach zu billig und zu langweilig. Viele Kunstmaler orientieren sich gern an Vorlagen, so, wie es Yvonne Behring macht.

Natürlich braucht’s Talent dafür (oder ein Epidiaskop oder ein anderes Vergrößerungsgerät, dann klappt’s). Und ein gutes Auge für Farben, denn Blau ist nicht gleich Blau. Yvonne Behring malt mit Acrylfarbe das Motiv vor, strukturiert beziehungsweise komponiert das Bild. Acrylfarbe trocknet schnell. Ölfarbe dagegen, mit der sie ein Bild vollendet, kann länger in Stärke, Farbigkeit und Mischung vermalt werden. Dadurch lässt sich das Spiel der Farben optimal aufeinander abstimmen.

Botschaften aus einer anderen Welt, die wir dann lieber nicht im Bild sehen wollen.

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