Warum Katrin Bauerfeind im Internet bedroht wurde

TV-Moderatorin stellt in Braunschweig ihr erstes Buch vor und erzählt, warum die Woche acht Tage braucht.

Braunschweig. Katrin Bauerfeind hat binnen kurzem eine steile Karriere als TV-Moderatorin und Schauspielerin gemacht. Am Samstag stellt die 32-Jährige im Braunschweiger Staatstheater ihr erstes Buch vor. Vorab beantwortete sie unsere Fragen.

Sind Sie Charlie?

Natürlich!

Sind Sie aufgrund Ihrer journalistischen Tätigkeit schon einmal bedroht worden?

In der Harald-Schmidt-Show gab es nach ein paar satirischen Bemerkungen über die Griechen auch Drohungen in den sozialen Netzwerken, ja.

Ist „Lügenpresse“ auch für Sie das Unwort des Jahres 2014?

Es ist keine schlechte Wahl.

Sie haben mit einer Nachfrage beim Henri-Nannen-Preis 2011 dazu beigetragen, dass dem Sieger in der Kategorie Reportage der Preis aberkannt wurde. „Lügenpresse“?

Das war eine interessante Reportage, in der Horst Seehofer porträtiert wurde. Ein faszinierender Text, bei dem man den Eindruck bekam, der bayrische Ministerpräsident sei irre, wahnsinnig und therapiebedürftig. Der Preis wurde aberkannt, weil es in diesem Text um eine Modelleisenbahn im Keller von Horst Seehofer ging, die so beschrieben war, als hätte der Journalist sie live gesehen, was aber nicht der Fall war. Damit war der Text schlicht in der falschen Kategorie. Für mich aber noch kein Grund von Lügenpresse zu sprechen. Ich finde die deutsche Presse insgesamt sehr gut. Was ist die Alternative?

In Braunschweig stellen Sie „Geschichten vom schönen Scheitern“ vor. Sie haben so eine steile Karriere hingelegt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass Sie schon einmal existenziell gescheitert sind. Wäre es nicht angemessener, von Scheiterchen zu sprechen?

Borussia Dortmund hat doch kürzlich erst gezeigt, wie nahe Erfolg und Scheitern beieinander liegen können. In Deutschland gibt es oft nur schwarz oder weiß, gewinnen oder verlieren. Deutschland liegt im Vergleich mit 62 anderen Ländern auf dem vorletzten Platz, was die Toleranz von Fehlern angeht. Unsere Buchläden sind voll von Büchern, die einem sagen, man sei entweder Gewinner oder Verlierer. Aber so ist es nicht. Scheitern ist der Weg zum Ziel, ohne Scheitern gibt es erst gar keinen Erfolg.

Ich erzähle meine Geschichten vom Scheitern aus einer humorvollen Perspektive, denn lieber drüber lachen als dran zu verzweifeln, und dann heiter weiter, das ist mein Motto.

Nach Samuel Beckett kann es bei menschlichen Aktivitäten überhaupt nur darum gehen, besser zu scheitern. Ist Ihnen der Gedanke sympathisch?

Ich bin sowas von d’accord mit Herrn Beckett. Der Volksmund sagt ja auch: Man lernt nur aus seinen Fehlern. Also mutig voran.

Was glauben Sie, bringt den Menschen langfristig weiter: Erlebnisse des Scheiterns oder Erfolgserlebnisse? Was ist gefährlicher?

Vermutlich bringt einen ein Mix am weitesten. Wer ewig auf die Fresse kriegt, ist am Ende sicher kein Gewinner. Wem immer alles in den Schoß fällt, ist am Ende Robert Geiss. Beides kann man nicht wollen.

In Ihrem Buch heißt es: „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“. Wie sollte der heißen?

Der Tag zwischen Sonntag und Montag, würde ich den nennen. Bei den Indianern gibt es doch auch „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Die auf einer Faust steht“. Es ist immer gut, wenn die Leute wissen, was gemeint ist.

Die Köpfe der Französischen Revolution haben die Woche von 7 auf 10 Tage verlängert. Wäre das eine Lösung Ihres Problems?

Das ist schon wieder kompliziert. Dann müssten wir auch wieder mehr arbeiten, es gäbe mehr Folgen „Berlin Tag & Nacht“ und wir hätten seltener Wochenende. Alle würden meckern, und das tun die Deutschen ja eh schon genug. Wir müssten nur einen zusätzlichen Tag einbauen, ich bleibe dabei.

Ihre Sendung „Bauerfeind 28.30“ auf 3sat ist ein Interviewformat. Welcher Gesprächsgast hat Sie bisher am meisten beeindruckt?

Michael Gorbatschow war toll. Ich hab ihm zum Einstieg unseres Gesprächs gestanden, dass ich Geschichte-Leistungskurs hatte und das Abitur quasi nur aus Fragen zu ihm bestand, ich aber nur neun Punkte hatte, also eine Drei, was mir zum ersten Mal echt unangenehm war, als ich so vor ihm stand. Und er: Sehen Sie, Mädchen, da sag noch mal einer, dass man das, was man in der Schule lernt, später nicht braucht.

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