Eine Oper ohne Kostüme

Stadtmitte  Der konzertante Charakter schadete der Aufführung von Donizettis „Liebestrank“ im Congress-Park nicht.

Sänger und Orchester auf einer Ebene – das war gewöhnungsbedürftig.

Foto: regios24/Joachim Mottl

Sänger und Orchester auf einer Ebene – das war gewöhnungsbedürftig. Foto: regios24/Joachim Mottl

Diese Oper ist geprägt von Tragikomik, wobei die Komik überwiegt, und diese Konstellation findet sich in den Kompositionen wieder. Die Arien und Chorlieder bewegen sich zwischen heiterer Leichtigkeit und Anflügen von Dramatik. Am Samstag führte das Ensemble des Landestheaters Detmold im Congress-Park den Liebestrank von Gaetano Donizetti auf.

Halbszenisch, so dass die Handlung nur in einem aufs Minimale reduzierten darstellerischen Umfang umgesetzt wurde. Die Sängerinnen und Sänger sowie der Chor agierten auf einer Ebene mit dem Orchester unter Leitung von Matthias Wegele.

Der Liebestrank erzählt die Geschichte des naiven Bauern Nemorino, der die schöne Adina liebt. Der Quacksalber, der „Dottore Dulcamar“, verkauft dem Verliebten einen vermeintlichen Liebestrank. Aber weil‘s eben keiner ist, nimmt die Angebetete zunächst einen Antrag des Soldaten Belcore an.

Doch Glück im scheinbaren Unglück: Nemorino erbt ein Vermögen. Die Frauen des Dorfes wissen das bereits vor ihm und versuchen, den Bauern zu umgarnen. Das glückliche Ende, die Partnerschaft mit Adina, ist abzusehen. Die Inszenierung in italienischer Sprache wurde mit deutschen Erläuterungen zu Text und Handlung übertitelt. 270 Zuschauer sahen eine gute Aufführung.

Eine Vorstellung der besonderen Art allerdings wurde es, denn durch die räumliche Situation im Congress-Park entfielen die Bühnenbauten. Und auch Kostüme trugen die Akteure nicht. Diese Opernaufführung hatte somit eher konzertanten Charakter, wenn auch die Darsteller ihre Bühnencharaktere mehr als nur stimmlich herausarbeiteten. Gestik, Körpersprache und Mimik verdeutlichten den Zuschauern, welche Eigenschaften den Personen zuzuschreiben waren. Ein von sich selbst überzeugter Sergeant Belcore, ein verzweifelt liebender, naiver Nemorino, eine anfangs mit Kalkül zu (Liebes-)Werke gehende Adina, ein aufschneiderischer Dottore Dulcamar. Diese Figuren formte das Quartett Beoung Kyu Jeong, Carlos Moreno Pelizari, Katharina Ayjba und Michael McKinnon schauspielerisch in überzeugender Art und Weise. Die Gesangsleistung war gut, aus dem singenden Quartett taten sich der kraftvolle und zugleich einfühlsam vortragende Tenor Pelizari und die stimmlich emotionsgeladene und klar intonierende Sopranistin Ayjba besonders hervor. Das musikalische Niveau der Aufführung war überzeugend, woran Dirigent Matthias Wegele und seine sehr differenziert und sensibel spielenden Instrumentalisten gehörigen Anteil hatten. Auch der Chor und Franziska Ringe in der Rolle der Gianetta sind zu loben. Insofern war die halbszenische Aufführung kein Negativmerkmal. Denn dadurch kam die sehr gute musikalische Seite der Inszenierung voll zum Tragen. Szenenapplaus blieb deshalb keine Mangelware.

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