Zwischen Charly und King Kong

Braunschweig  Wie schlau sind Affen wirklich? Die Ausstellung „Wie Menschen Affen sehen“ gibt einen vielschichtigen Blick auf unsere nächsten Verwandten.

Die Aufgabe ist klar. Das Röhrchen ist circa zwei Finger breit, fest verankert und viel zu lang, um die am Boden des Röhrchens liegende Erdnuss mit den Fingern zu berühren. Wie also die Nuss dennoch bekommen?

Der Schimpanse braucht nicht lange für die Lösung. Er holt in seinem Mund Wasser aus dem Nebenraum und füllt damit nach und nach die Röhre auf bis er mit seinen schlaksigen Fingern die Nuss herausholt. „Ich denke, darauf wäre schon die Hälfte der Menschen nicht gekommen“, sagt Professor Ulrich Joger, Direktor des Naturhistorischen Museums, das zusammen mit dem Braunschweigischen Landesmuseum die Ausstellung „Wie Menschen Affen sehen“ ausrichtet.

Und ohne Wasser? Die Antwort folgt prompt und löst ein Schmunzeln aus, das zwischen Bewunderung und Überlegenheit oszilliert. Der Schimpanse pinkelt in die Röhre und holt sich dadurch die Nuss. Spielerisch leicht beginnt die Ausstellung, die im Braunschweigischen Landesmuseum zu sehen ist. Die Botschaft wird gleich zu Beginn klar: Neben Bildern der fünf Menschenaffen-Arten (Gibbons, Orang-Utans, Gorillas, Bonobos und Schimpansen), denen man sogar die Hände schütteln kann, ist ein Spiegel aufgehängt. Darin kann man die sechste Menschenaffen-Art betrachten – sich selbst.

„Die Ausstellung bietet einen allumfassenden Blick auf die Menschenaffen und unsere Sicht auf sie“, sagt die Direktorin des Landesmuseums, Heike Pöppelmann. Diese Sicht reicht vom niedlich vermenschlichten Schimpansen à la Charly bis hin zum Monster à la King Kong, der eine unschuldige Frau entführt und zur Bedrohung einer Großstadt wird.

Diese Sicht vernachlässigte jedoch allzu oft die Tatsache, dass 95 Prozent unserer DNA mit jener der Menschenaffen übereinstimmen. Von leichter Unterhaltung und Sensibilisierung für das Thema zu Beginn, wenn man beispielsweise lernt, dass sich Schimpansen durch Sprachbausteine mit Menschen „unterhalten“ können oder der Besucher dazu verdammt ist, die Leistung der Schimpansen im Memory-Spiel hoffnungslos weit zu verfehlen, wird es später tiefgründiger.

Dann geht es um Palmöl, dessen Gewinnung den Lebensraum von Orang-Utans zerstört. Oder um Menschenaffen, an denen Psychopharmaka getestet werden. So ist zu sehen, dass Katrina aus den USA mit 15 Jahren ihres Schimpansenlebens bereits 268 Vollnarkosen, 36 Leberbiopsien und eine Wiederbelebung nach einer Narkose über sich ergehen lassen musste. Unter anderem.

Das alles wirkt etwas bedrückend, da man ja kurz zuvor noch lernte, wie eng Mensch und Menschenaffe miteinander verwandt sind und sogar Kunsterwerke aus Schimpansenhand betrachten konnte. „Wir sind enger verwandt mit dem Schimpansen als der mit dem Gorilla“, unterstreicht Kurator Dr. Jan Ilger. Dennoch ist es keine Ausstellung mit erhobenem Zeigefinger, die Exponate oder auch Gedichte von Lessing und Busch sprechen für sich und sind auch für Kinder geeignet, spielerisch einen ernsthaften Blick auf die Menschenaffen zu richten.

Eröffnung: Freitag, 19.9. Zu sehen bis 8.3. 2015.

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