Warum die Deutschen Komödien lieben

Braunschweig  Der Produzent Benjamin Munz analysiert beim Braunschweiger Cinestrange-Festival Kinotrends. Sein Arbeitgeber Rat Pack produzierte „Fack ju Göthe“.

Erstmals findet das Festival „Cinestrange“ vom 18. bis 20. Juli in Braunschweig statt. Es widmet sich dem Unterhaltungs- und Genre-Kino und präsentiert neben Komödien, Horror- und Science-Fiction-Filmen auch prominente Gäste wie den „Saturday Night Fever“-Regisseur John Badham und den Produzenten Benjamin Munz. Der 30-Jährige arbeitet für die Produktionsfirma Rat Pack, die zuletzt mit „Fack ju Goethe“ den vierterfolgreichsten Film des deutschen Nachkriegskinos herausbrauchte. Mit Munz sprach vorab Florian Arnold.

Hat sich Ihr Einkommen im vergangenen Jahr vervielfacht?

Na ja, als junger Produzent verdient man tatsächlich eher bescheiden. An der Produktion von „Fack ju Göthe“ war ich auch nicht direkt beteiligt. Natürlich spielt der Film viel Geld ein, aber es dauert, bis etwas davon bei der Produktionsfirma ankommt. Vorher ist der Verleih an der Reihe, das Regieteam, die Schauspieler und so weiter.

Man benötigt solche Erfolge, um das laufende Geschäft am Rennen zu halten. „Fack ju Göthe“ ist nicht der erste Kassenschlager von Rat Pack und meinem Chef Christian Becker. „Die Welle“ hatte 2,6 Millionen Zuschauer, „Wickie“ sogar sechs Millionen. Wir entwickeln und kaufen ständig neue Stoffe. Dank der Erfolge können wir es uns leisten, Aufträge rauszugeben, ohne langwierig Fördermittel zu beantragen.

Was sind die Erfolgsfaktoren von „Fuck ju Göthe“? Was unterscheidet den Film von anderen deutschen Komödien?

Er hat den Nerv der Zeit getroffen. Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin hat das Lebensgefühl der Schüler und ihre Sprechweise sehr gut abgebildet – überhöht, aber doch dicht dran an der Realität. Der Film hat eine gewisse Brachialität, er schlägt einem die Gags ohne Weichzeichner um die Ohren und überschreitet auch Grenzen, wie es sich sonst nur Briten oder Amerikaner trauen. Zudem gab es lange keinen lustigen Schulfilm mehr. Dabei sprechen sie Schüler, aber auch Erwachsene an, die sich in den Lehrern gespiegelt finden.

Was genau ist die Aufgabe eines Produzenten? Wie stark ist er am Erfolg eines Films beteiligt?

Ein Produzent betreut ein Filmprojekt in allen Belangen von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ich vergleiche meinen Job gerne mit dem eines Fußball-Managers. Man verpflichtet den Trainer beziehungsweise Regisseur und die Schauspieler, sorgt dafür, dass sie 90 Minuten eine starke Partie abliefern können, ist an der Besprechung der Spieltaktik beteiligt, kümmert sich aber auch um Werbebanner, die Übertragung in Kino und TV und die Abrechnung.

Beim „Cinestrange“-Festival sprechen Sie über aktuelle Branchentrends. Welche sind das denn?

Ich finde es spannend, dass nach einer langen Phase visuell orientierter Blockbuster wieder Filme kommen, die mehr Wert auf gut erzählte Inhalte legen. Das gilt selbst für Reißer wie „Captain America 2“ und „Edge of tomorrow“. Ich denke, da wirkt sich der internationale Erfolg der großen, perfekt geschriebenen TV-Serien aus.

Gleichzeitig ist es schade, dass das Publikum in Deutschland sich gerade sehr auf bestimmte Genres festlegt. Das Kino verkommt ein wenig zum Komödienstadl. Filme abseits dieses Mainstreams wie zuletzt „Stereo“ mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel, ein toller Thriller auf internationalem Niveau, laufen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wieso kommen Komödien in Deutschland so gut an?

Die wichtigste Zielgruppe für das Kino sind hier derzeit junge Frauen zwischen 14 und 20 Jahren. Die stehen auf romantische Komödien und schleifen ihre Freunde mit.

In den USA sind dagegen Horrorfilme enorm erfolgreich. Das liegt wohl daran, dass die wichtigsten Kinokunden junge Männer sind. Die kutschieren ihre Freundinnen im Auto zu den Kinos und mögen Filme, bei denen sich die Mädchen aus Furcht an sie kuscheln.

Mit Rat Pack wollen wir künftig auch stärker auf dem internationalen Markt aktiv werden. Ich produziere derzeit die Horrorkomödie „Stung“. Die Rechte haben wir schon vor Drehbeginn in 23 Länder verkauft. Das schaffen wir bei deutschen Komödien nicht.

Benjamin Munz referiert am 19. Juli um 16.30 Uhr im C1 Cinema.

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