„Weil ich ein Großmaul bin“

Braunschweig  Die junge Regisseurin Mina Salehpour inszeniert im Staatstheater Braunschweig eine Erstaufführung

Die Regisseurin Mina Salehpour im Staatstheater .

Die Regisseurin Mina Salehpour im Staatstheater .

BRAUNSCHWEIG. „Ach, für mich war das gar nicht so schlimm“, lacht die zierlich schöne Frau mit den dunklen Augen. Geboren wurde Mina Salehpour 1985 in Teheran. Dort konnte die Familie nicht bleiben. Der Vater war aktiv im Widerstand gegen das iranische Regime. Er floh nach Deutschland, bekam Asyl, holte seine Familie nach.

Da war Mina elf. „Natürlich gab es Mobbing-Attacken in der Schule, Mitschüler haben mich ,dämliche Kanake’ genannt. Aber ich lernte die Sprache sehr schnell, und weil ich ein Großmaul bin, fand ich dann auch Freunde.“

Mit ihrem Vater hat sie nur noch wenig Kontakt. Aber das hat mit dem Familienschicksal wenig zu tun. Er habe mit der Situation im Iran abgeschlossen. Und auch sie bezeichnet sich nicht als politischen Menschen.

Das ist der Unterschied zu dem Stück, das sie derzeit in Braunschweig inszeniert. „Montecore, ein Tiger auf zwei Beinen“ nach einem Roman von Jonas Hassen Khemiri. Am 9. Januar kommt es im U 22 zur deutschen Erstaufführung.

Es geht darin um eine Generationenfolge: Der Vater des Algeriers Abbas war Kollaborateur mit der französischen Kolonialmacht. Abbas lernt eine Schwedin kennen und geht mit ihr nach Schweden. Mit Politik will er nichts mehr zu tun haben. Sein Sohn Jonas aber nimmt ihm das übel, verlangt von ihm, sich politisch zu engagieren.

Natürlich, sagt Mina Salehpour, handele das Stück von Migration, Fremdheit und Anpassung, aber vor allem vom Konflikt zwischen Vätern und Söhnen. Und davon, wie die abstrakten Zahlen und Fakten der Politik schicksalhaft ins Private eingreifen. „Der Konflikt geht ins Herz.“

Dies alles verhandele der Autor mit einer frechen, witzigen, nicht auf politische Korrektheit erpichten Sprachkraft. Das gefällt ihr. Deshalb lässt sie sich auf ein Wagnis ein: „Sonst habe ich in meinen Inszenierungen immer schnelle Rhythmen, viel Choreographie, Slapsticks, Lichtwechsel. Diesmal machen wir es mit nur zwei Darstellern auf der winzigen Bühne. Weil ich die Geschichte so wichtig finde.“

Zum Theater kam Mina Salehpour, als sie in ihrer neuen Heimat Forchheim einmal als Jenny in der „Dreigroschenoper“ einsprang. Aber über Nacht sei ihr klar geworden: Regie sollte es sein. Bei Vorstellungsgesprächen für entsprechende Studiengänge sei sie als zu jung und zu naiv abgelehnt worden. So ging sie den praktischen Weg: Hospitanzen, Regieassistenzen. Seit zwei Jahren ist sie freie Regisseurin. „Aber“, sagt sie unbekümmert, „naiv bin ich immer noch!“

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