Zerbrochene Welt

Braunschweig  Die Buchtipps

Im Internet gibt es zahlreiche Komplettlösungen, die von Computerspiel-Fans geschrieben werden. Sie sollen anderen helfen, sich in einem Videospiel zu orientieren. Tim Etchells namenloser Held versucht sich daran, eine solche Lösung für das (fiktive) Computerspiel „The Broken World“ zu schreiben. Eine echte Sisyphus-Aufgabe. Denn das besagte Spiel ist riesig. Dutzende Verstecke müssen entdeckt, hunderte Fallen müssen erwähnt werden. Gleichzeitig muss er das eigene (reale) Leben in den Griff kriegen: Die nervtötende Arbeit bei einem Pizza-Bringdienst, die kriselnde Beziehung mit seiner Freundin, die drohende Depression seines besten Freundes. Am Ende stellt sich die Frage, welche Herausforderungen leichter zu bewältigen sind – die in der realen oder die in der fiktiven Welt.

Etchell ist ein sehr origineller Jugendroman gelungen, der sich nicht nur um Computerspiele dreht, sondern auch die großen Fragen des Lebens nach Glück, Liebe und Freundschaft stellt.

Tim Etchells: „The Broken World“. Diaphenes, 22,90 Euro.

Liebe in Zeiten des Videospiels

Scott Pilgrim ist 23, arbeitslos, wohnt in Toronto in einer 1-Zimmer-Wohnung mit seinem schwulen Mitbewohner, spielt Bass in einer Rockband und hat eine platonische Beziehung mit der 17-jährigen Knives. Eigentlich läuft also alles gut für den liebenswerten Versager. Doch dann trifft er das Mädchen seiner Träume: Die mysteriöse Ramona Flowers. Das ist wörtlich zu nehmen. Denn die Kurierin Ramona ist schon vorher in Scotts Träumen aufgetaucht. Doch bevor er mit ihr zusammensein kann, muss Scott noch die hinterhältigen Ex-Freunde der schönen Amerikanerin loswerden. Auch das ist nicht metaphorisch gemeint – Scott muss sie nach und nach in videospiel-inspirierten Faust- und Schwertkämpfen besiegen.

Das alles hört sich abgedreht an? Vielleicht. Zugleich ist die sechsteilige Comicreihe des Kanadiers Bryan Lee O’Malley aber auch eine der kreativsten und schönsten Liebesgeschichten der letzten Jahre.

Bryan Lee O’Malley: „Scott Pilgrim, Band 1: Das Leben rockt“. Panini, 12,90 Euro.

Zombie-Epos

Zombies sind in. In letzter Zeit erlebten die apathischen Untoten wieder einen Boom in Film- und Fernsehproduktionen. Robert Kirkmans Comic-Serie „The Walking Dead“ trägt ihren Teil dazu bei, dass die Untoten nicht aussterben. Mit „The Walking Dead“ schuf er einen langen Comic-Epos.

Im Mittelpunkt der Comicreihe steht der Polizist Rick Grimes. Angeschossen, fällt er ins Koma. Als er nach einigen Wochen im menschenleeren Krankenhaus wieder aufwacht hat ein Virus einen Großteil von Ricks Mitmenschen in wandelnde Tote verwandelt.

In dieser Welt muss Rick nun überleben und seine Familie wiederfinden. Zu Anfang des Comics mag die moralisierende Art des Polizisten noch auf die Nerven gehen. Je öfter Rick jedoch existenzielle Entscheidungen treffen muss, desto mehr fiebern die Leser mit dem Helden mit. Dabei merkt man, wie Kirkman Spaß daran hat, ihn immer wieder neuen Schicksalschlägen auszusetzen.

Bislang sind 15 Bände erschienen, der Preis ist nicht billig.

Robert Kirkman, Tony Moore: „The Walking Dead 1: Gute Alte Zeit“. Cross Cult, 16 Euro.

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