Vom Vollidioten, zum Überman – Tommy Jaud las bei Graff

Braunschweig  Am Freitag stellte Bestseller-Autor Tommy Jaud sein neuestes Werk "Überman" in Braunschweig vor – und verriet, warum Griechen bei ihm Spanisch sprechen.

Bestseller-Autor Tommy Jaud stellte bei Graff in Braunschweig seinen neuen Roman „Überman“ vor.

Foto: Michael Völkl

Bestseller-Autor Tommy Jaud stellte bei Graff in Braunschweig seinen neuen Roman „Überman“ vor. Foto: Michael Völkl

Ein guter Platz: Am Freitag bei Graff las Bestseller-Autor Tommy Jaud vor dem Buchregal „Fernsehköche“. Das passte ideal. Denn im fünften Roman des 42-Jährigen plant Antiheld Simon Peters, Jamie Oliver zu verklagen. Wegen Betruges und Falschaussage. Peters braucht fürs Nachkochen der angeblichen 30-Minuten-Menüs nämlich über 20 Stunden.

Rund 4,3 Millionen Bücher hat Tommy Jaud bereits verkauft. Das neue, „Überman“, ist sein dritter Roman mit Simon Peters. 2004 wurde der als „Vollidiot“ eingeführt; 2007 wurde er mit viel Glück „Millionär“. Jetzt ist die Million wieder weg. Sein griechischer Anlageberater hatte schlechte Tipps. Schnell muss nun eine hohe Geldsumme aufgetrieben werden – fürs Finanzamt und für Freundin Annabelle. Sie möchte internationale Weinwirtschaft studieren.

In Braunschweig stellte Tommy Jaud das erste Fünftel des Buches vor. Eine unterhaltsame Stunde ohne klischeehafte Handlung oder abgedroschene Formulierungen. Die Figuren sind individuell ausgestattet – Peters kroatische Putzfrau zum Beispiel hat eine Sparholzgiraffe; sein Anwalt trägt eine Brillenparodie. Auch einige Metaphern sind ungewöhnlich. Eine Frau etwa „schaut wie ein Panda vor einem brennenden Eukalyptusbaum“. Dazu gelungene Dialoge: „Habt ihr lange hergebraucht?“ – „Ach, wir lieben ja Hörbücher. Und wann kann man schon mal Verblendung, Verdammnis und Vergebung komplett durchhören?“.

Jaud, der „Überman“ bereits als Hörbuch eingesprochen hat, trug die Story lebendig, mit verschiedenen Stimmen und Dialekten, vor. Verwirrend indes, dass er den Griechen mit spanischem Akzent sprach: „Ich kann keinen griechischen Akzent“, erläuterte er. „Blöd, hätte ich mir ja beim Schreiben schon denken können.“

Richtig warm wurde man trotz seines Einsatzes mit den Akteuren nicht. Ihnen fehlt etwas Liebenswürdiges. Sie bieten – im vorgestellten Teil – wenig Gelegenheit, mitzufühlen. Störend hinzu kommt eine wechselhafte Qualität der Pointen und Abschweifungen.

Manches ist arg aufgebauscht oder konstruiert. Beispiel: „Was heißt denn, dass die mit einem Sternchen gekennzeichneten Beträge fällig werden? Ich gehe doch auch nicht zu einer Tussi in einen Club, stecke ihr ein Sternchen in die Haare und sage ihr, dass sie fällig ist.“

Am Ende kräftiger Beifall der rund 250 Zuhörer – und zwei lange Schlangen vor dem Signiertisch.

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