Hallo! Aufwachen!

Braunschweig  Der Niederländer Jos van Kan inszeniert ein aktuelles „Dornröschen“ im Staatstheater Braunschweig

Jos van Kan.

Foto: Jan Glas

Jos van Kan. Foto: Jan Glas

Weihnachtsmärchen – – das Wort klingt heute ein bisschen verstaubt und puppig. Deshalb lassen sich Theater gern so geschraubte Formulierungen einfallen wie: Familienstück zur Vorweihnachtszeit.

Das ist dem fröhlichen Niederländer Jos van Kan völlig fremd: „Das wird richtig schön“, sagt der Regisseur in seinem charmanten Deutsch, und dabei strahlen die blauen Augen. „Wir haben ein tolles Bühnenbild fast in Opern-Dimensionen, wir haben fantastisch bunte Kostüme irgendwo zwischen Hollywood, Walt Disney und Vivienne Westwood. Was soll falsch daran sein, den Kindern und ihren Eltern einmal im Jahr im Weihnachtsmärchen die Pracht des Theaters vorzuführen?“

Gerade so schön in Schwung, legt er gleich noch nach: „Ihr Deutschen wisst gar nicht, was ihr da habt an euren Theatern! So ein Staatstheater stellt seinen ganzen Apparat zu Verfügung, um Zigtausende von Menschen zu Weihnachten zu verzaubern! Euer Theatersystem ist einmalig in der Welt! Ihr Deutschen wisst das gar nicht mehr zu würdigen. Bei uns in den Niederlanden ist das alles sehr abgeschlankt.“

Okay, okay. Aber trotzdem: Kriegt man denn mit dem alten Grimmschen Märchen heute noch die jungen Leute hinterm Ofen weg?

„Ach“, sagt Jos van Kan, „Hinterm Ofen weg, das ist nicht so schwer. Das Problem ist, sie hinterm Computer und hinterm Fernseher hervorzulocken. Doch dafür findet der Niederländer die Stückfassung von Katharina Schlender besonders geeignet. „Wir spielen ja nicht einfach das Märchen nach, das umfasst ja bei den Grimms nur zwei Seiten. Bei uns geht es ums Erwachen. Es geht darum, dass das Dornröschen vom Mädchen zur jungen Frau wird. Aber nicht vordergründig um Sexualität. Sondern darum: Wer ist der richtige Prinz für mich? Wer unter all den Idolen der Warenwelt und der Medien, wer unter allen oberflächlichen Schönheitsideal-Typen ist ein Freund, mit dem es sich wirklich lohnt? Das ist doch sehr aktuell!“ Premiere ist heute um 16 Uhr.

Der 50-jährige Regisseur hat sieben Jahre lang in Delft ein Jungendtheater geleitet. Dann ging’s hinaus in die Welt. Van Kan inszeniert in den Niederlanden viel moderne Oper, in Taiwan hat er das dortige Musiktheater kennengelernt. Das „Dornröschen“ ist seine 12. Regiearbeit in Deutschland. „Die 13 wird auch wunderbar“, sagt er. „Ich bin nicht abergläubisch. Es ist einfach toll, in Deutschland zu arbeiten!“

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