Wie weiße Frauen in Afrika Liebe suchen

Braunschweig  Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel stellt beim Filmfest Braunschweig Ulrich Seidls Film „Paradies: Liebe“ über weiblichen Sextourismus vor.

Margarethe Tiesel ist für ihre Darstellung einer Sextouristin in „Paradies: Liebe“ für den Europäischen Filmpreis nominiert worden.

Foto: Filmfest

Margarethe Tiesel ist für ihre Darstellung einer Sextouristin in „Paradies: Liebe“ für den Europäischen Filmpreis nominiert worden. Foto: Filmfest

Munga ist anders als die übrigen jungen Kenianer, die am Strand vor der Ferienanlage auf Zuckermamas warten. Denkt Teresa. Er bedrängt sie nicht mit Muschelketten oder Anzüglichkeiten. Lässt sie auch mal alleine spazieren. Und doch findet er sie schön, wunderschön sogar.

Also geht Teresa schließlich mit ihm ins Dorf. Die Kamera in Ulrich Seidls halbdokumentarischem Film „Paradies: Liebe“ folgt den beiden. Altes Sofa. Tisch. Bett. Palmwein aus der Plastikflasche. Er ist zärtlich. Und Geld will er nicht.

Teresa ist glücklich. Daheim in Österreich ist nichts mehr mit Männern. Sie ist über 50, ein bisschen aufgegangen, lebt allein mit der pubertierenden Tochter in einer Zweizimmerwohnung.

Sie geht wieder zu Munga. Diesmal nimmt er sie hinterher mit zu seiner Schwester. Das Baby sei krank. Teresa gibt Geld. „Ist ein bisschen wenig“, sagt Munga. Später erfährt sie, dass die Frau gar nicht seine Schwester war.

Allein zurück im Hotelzimmer beobachtet die Kamera sie unbarmherzig. Roter Kopf. Fleischiger, verschwitzter Körper. Leises Schluchzen. Und Meeresrauschen.

Halbdokumentarische, kontroverse, schonungslose Filme sind das Markenzeichen des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl. In „Paradies: Liebe“ geht es um weiblichen Sextourismus. Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel, 53, spielt intensiv, uneitel, glaubhaft. „Seidl hat mir gesagt, er wird nichts von mir verlangen, was ich nicht will“, erzählt sie im Gespräch nach der Vorstellung. „Er schafft Vertrauen, wie ein Pastor, lässt dir viel Raum – und bringt dich genau dadurch dazu, Grenzen zu überschreiten.“

Die „Beach Boys“, mit denen Teresa sich im Film einlässt, seien authentisch. Ein Drehbuch habe es zwar gegeben. „Aber ich habe es nicht zu Gesicht bekommen, wir haben improvisiert, die Szenen sich entwickeln lassen.“

130 Minuten geht der Film. Kein Popcorn-Kino. Manche (Liebes-)Szenen entwickeln sich quälend langsam, die Dialoge sind unbeholfen – und authentisch. Langweilig wird es nicht. Weil ihr Traum von echter Liebe scheitert, wird Teresa zunehmend abgebrühter, herrischer im Umgang mit den Afrikanern. Die Kamera beobachtet das rückhaltlos. Pornografisch ist der Film bei allem nackten Fleisch nicht, aber un-verschämt, teils schwer zu ertragen – und dennoch sehenswert.

Verurteilen will Margarethe Tiesel die „Sugarmamas“ übrigens nicht. Sie seien an langfristigen Beziehungen interessiert – anders als männliche Sextouristen. Natürlich gehe es den afrikanischen Männern ums Geld. Doch nicht unbedingt nur darum. Aufgrund anderer Schönheitsideale in Afrika funktionierten manche Beziehungen offenbar tatsächlich – manche.

Wieder Freitag, 9. November, 21.45 Uhr, und Samstag, 10. November, 15 Uhr, im C1 Cinema Braunschweig. Margarethe Tiesel ist anwesend.

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