Die schöne Litauerin ist der ideale Junge

Braunschweig  Mezzosopranistin Milda Tubelyte singt die Titelrolle in Maurice Ravels Oper „Das Kind und der Zauberspuk“ im Staatstheater Braunschweig.

Milda Tubelyte schlüpft in Braunschweig in die Rolle eines destruktiven Kindes.

Foto: Berger

Milda Tubelyte schlüpft in Braunschweig in die Rolle eines destruktiven Kindes. Foto: Berger

Endlich mal eine Sängerin, der man die schlanken Jungs, die sie spielen muss, auch abnimmt. Als Mezzosopranistin wird Milda Tubelyte oft in sogenannten Hosenrollen eingesetzt: Dann singt sie etwa den allseits verliebten Pagen Cherubino in Mozarts „Figaro“ als Skater mit Baggy und Schlabber shirt. „Ein Kollege sagte neulich zu mir: Du hast den idealen Körper für einen 16-jährigen Jungen. Das ist für eine junge Frau natürlich nur bedingt ein Kompliment“, erzählt die 26-Jährige.

Sie würde schon gern mal im Kleid auftreten, aber wichtig ist ihr vor allem, Charaktere auf die Bühne zu stellen. In der Premiere von Ravels „Das Kind und der Zauberspuk“ am Sonntag im Staatstheater spielt sie wiederum das Kind. Ein Kind, das sein Zimmer verwüstet und an dem sich die Gegenstände nachher rächen, bis es beim Kampf zweier Eichhörnchen Mitgefühl zeigt und wieder Frieden einkehrt.

Aber mit dem Charakter wird das etwas schwieriger. „Der Regisseur hat die Rolle geteilt, im Zimmer spielt ein wirkliches Kind, und ich singe oben vom Dach, als wäre ich das Gewissen oder die Gedanken oder die Seele des Kindes. Ich bin also eine Abstraktion, und das ist gar nicht so leicht darzustellen, wenn sogar die Standuhr und die Teekanne zu Leben erwachen und singen.“

Mit den Jungsrollen hat sie im Übrigen keine Probleme: „Frauen haben ja sowieso auch die männlichen Chromosomen in sich (und noch etwas mehr), also kann ich auch Jungs spielen. Und wenn ich in meiner Rolle bin, liebe ich mein Gegenüber auch wirklich und umarme die Gräfin Almaviva im ,Figaro’ gern.“

Für den Gesang entdeckt wurde die Litauerin, als sie mit dem Geigenunterricht gerade aufhören wollte und in einem Abschlusskonzert das „Ave Maria“ sang. „Ich habe immer gern gesungen, aber an eine Opernkarriere habe ich gar nicht gedacht. Ich wäre auch Frontfrau einer Rockband geworden“, sagt sie. Oder ins Kulturmanagement gegangen. „Dann kann man die Nacht über feiern und muss am andern Morgen nicht singen.“ Sie liebt ihren Beruf, aber sie will vor allem auf der Bühne nicht in das Klischee der divenhaften Tonfetischistin rutschen. „Da gibt es heute unter Jugendlichen ja komische Vorstellungen. Wenn ich jemanden privat kennenlerne und dann sage, ich sei Opernsängerin, sind die immer ganz verstört.“

Auf Tubelytes MP3-Player sind AC/DC und Elvis Presley. Auf den langen U-Bahn-Fahrten während des Studiums in Hamburg hat sie aber auch Opernrollen damit gelernt. Sie freut sich, dass in Braunschweig nun alles mit dem Fahrrad erreichbar ist. „Ich wohne mitten in der Altstadt, das ist wunderschön.“

Premiere von Ravels „Zauberspuk“ mit Strawinskys „Nachtigall“ am Sonntag, 19.30 Uhr. Karten (0531) 123 45 67.

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