Olympe de Gouges, ehrlos und rechtlos, galant und aufmüpfig

Manfred Geiger plädiert für die Aufklärung.

Foto: regios24/Anja Weber

Manfred Geiger plädiert für die Aufklärung. Foto: regios24/Anja Weber

Wolfsburg. Vive la republique!“ ruft die Menge, wirft Hüte hoch und die Pariser Limonadenhändler machen Umsatz. Es ist der 3. November 1793, ein kalter Tag, an dem Olympe de Gouges durch das Fallbeil zu Fall kommt. Sie ist eine Frau der Aufklärung, eine Frau, die im Sinne Kants den Mut aufbrachte, ihren eigenen Verstand zu nützen.

Manfred Geier erzählt 215 Jahre später ihre Geschichte. „Die Aufklärung ist ein Prozess“, sagt der Autor am Mittwochabend in der Aula des Ratsgymnasiums Wolfsburg vor etwa 200 Gästen des Literaturkreises Wolfsburg. Im Laufe dieser Entwicklung haben die Frauen „aufrecht gehen“ gelernt, indem sie sich aus der von Kant scharf kritisierten Rolle eines bevormundeten „Haustiers“ befreit hätten. Dennoch sei die Gleichberechtigung in Europa, das natürliche Recht auch der Frau auf Freiheit nicht völlig erreicht und in der islamischen Welt noch zu erkämpfen.

Manfred Geier kämpft als Literat um die Aufklärung, trägt mit seinen Büchern dazu bei, die Grundlagen des modernen Staates, der freiheitlichen Gesellschaft, der Menschenrechte zu wahren, zu schützen und zu entwickeln. Dazu gehören Rückfälle, Rückschritte, zitiert er Kant.

Auch der Frauen. Olymp de Gouges fiel, aber sie stand auf im vorrevolutionären Frankreich, während der Französischen Revolution und fiel auf dem Schafott der Jakobiner Robespierres. Ihr Beispiel sollte abschrecken und schreckte ab, wie der Vorsitzende der Pariser Kommune, Pierre-Gaspard Chaumette, aufmüpfige Republikanerinnen warnte. Er fiel dann selbst auf dem Schafott.

Olympe de Gouges hatte dennoch viel erreicht. Sie war die uneheliche Tochter eines Adligen, von ihm verschmäht, im Elend ehrlos und auch rechtlos aufgewachsen, gegen ihren Willen verheiratet, früh Mutter geworden, von ihrem ungeliebten Ehemann verlassen. Sie ging nach Paris, machte ein kleines Vermögen als „femme galante“ dank ihrer Schönheit, bildete sich in aufgeklärten Zirkeln, wurde „femme de lettre“, eine Schriftstellerin, die anklagte.

Sie trat für die Rechte der unehelichen Kinder ein, später für die der in den französischen Kolonien versklavten Afrikaner. Als Politikerin kämpfte sie weiter, mutig für die Rechte der Frau nach der Erklärung der Menschenrechte durch die französische Nationalversammlung.

Es ist eine Biografie, die Manfred Geier nicht ohne innere Bewegung vorträgt. Den Autor rührt noch, was er recherchierte. Das Publikum goutiert das. Brandender Beifall für einen modernen Aufklärer in Wolfsburg. Vive la republique!

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