Vom Nuttenmörder zum Kommissar

Braunschweig  Harald Dietl hat schon viele Rollen gespielt – Jetzt wird der 79-jährige Schauspieler in der Braunschweiger  Komödie zum Lord

Harald Dietl tritt als Lord in der Braunschweiger Komödie auf.

Foto: Jasper

Harald Dietl tritt als Lord in der Braunschweiger Komödie auf. Foto: Jasper

Im Internet findet sich die Information, der Schauspieler Harald Dietl sei früher unter anderem Schwergewichtsboxer und Kriegsberichterstatter in Vietnam gewesen.

Der Mann ist ein Koloss mit einer durchdringend sonoren Stimme. Mit seiner Präsenz füllt der 79-Jährige sofort das Café der Braunschweiger Komödie aus. Die erste Frage lautet natürlich: „Stimmt es eigentlich...?“ „Nein“, fährt Dietl dazwischen, seine Stimme wird zum Donnergrollen: „Ich war niemals Boxer! Das werde ich andauernd gefragt! Nie! Das hätte ich auch nicht sein können. Ich war ein Hänfling früher!“

Die Sache mit dem Kriegsreporter stimme so auch nicht, betont Dietl. Aber dass er als junger Schauspieler oft in Asien war und darüber auch Berichte für den „Weltspiegel“ verfasste, sei schon richtig.

So war er sogar während der berüchtigten Kulturrevolution in China. „Wir fuhren im Bus und durften alles filmen – außer Wandzeitungen. Das Problem war nur: Ganz China war zugepflastert mit Wandzeitungen!“ Als einer der Mitreisenden aus dem Fenster heraus filmte, stürmte ein Trupp junger Aktivisten den Bus. Auch Dietl wurde festgenommen und musste das Land verlassen.

Das war zu einer Zeit, als bei uns viele junge Idealisten Mao und seinen chinesischen Sozialismus zum Vorbild nahmen. Nicht Dietl: „Ich habe mal in einer Versammlung gesagt: Wer nach China gehen will, dem spendiere ich eine Fahrkarte. Allerdings nur die Hinfahrt. Keiner wollte sie haben.“ Dietl reist bis heute gern und viel. Sein eigentlicher Beruf aber war stets die Schauspielerei. Er wollte Schauspieler sein, seit er als Kind zum ersten Mal im Zirkus den Pausenclown gesehen hatte – „der hat den schwersten Job der Welt.“ Und wurde es gegen den Widerstand der Eltern. „Für die war ich das falsche Kind“. Außerdem schreibt er Bücher: Romane, Kurzgeschichten, Reisegeschichten.

In der Braunschweiger Komödie ist der Mann, der auf eine lange Karriere in Theater, Film und Fernsehen zurückblickt und vor allem als Kommissar Feldmann in der Krimiserie „Die Männer vom K3“ bekannt wurde, nun nach Jörg Pleva der zweite Altstar kurz hintereinander. Er spielt ab heute die Titelrolle in dem Stück „Der Lord und das Kätzchen“. Der Lord gefällt ihm: „weil der so wunderbar schlitzohrig ist. Und wenn das Kätzchen auftritt, macht er sich ein bisschen zum Affen.“

Dietl hat sich nie auf bestimmte Rollen festgelegt. „Kommissar und Nuttenmörder, die Guten und die Bösen, gern zwiespältige Charaktere.“ Mit seiner Statur hat Dietl oft Soldaten verkörpert – „jeden Dienstgrad aller europäischer Länder.“ Eine Rolle aber würde er gern noch spielen: Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“. Warum nicht?

„Ach“, seufzt er, „das ist eine gebeugte, eine gebrochene Figur, seelisch kaputt. Eine Fußmatte.“ Und dann richtet er sich zur vollen Größe auf. Die Stimme wölbt sich in den Raum: „Und? Wird man mir das glauben? Dass ich gebrochen bin? Schauen Sie mich an!“

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