Tubist Henricus Lüschen lobt die Figur seines Instruments.

Braunschweig  Im Staatsorchester gibt er mit dem riesigen Blechblasinstrument Wagners Riesenwurm Fafner Ton oder Lothars faulem Bären.

Der Staatsorchester-Tubist Henricus Lüschen (27).

Foto: Peter Sierigk

Der Staatsorchester-Tubist Henricus Lüschen (27). Foto: Peter Sierigk

Ich spiele Tuba, weil...

mein Geigenunterricht fehlschlug und es keine Posaune zum Probieren gab. Positiv festzuhalten ist, dass meine zweijährige Geigenkarriere schon im Alter von acht Jahren beendet war. Vermutlich hatte meine Lehrerin, der es generell an Humor fehlte, an diesem Tag zum ersten Mal ein gutes Gefühl, als ich den Unterrichtsraum verließ. Jedenfalls war so der erste Schritt in Richtung Blasinstrument getan. Vor dem Hintergrund der familiären Posaunenchortradition entschied ich mich für ein Blechblasinstrument. Da mein Wunschinstrument Posaune am Tag der offenen Tür der Musikschule Friesland damals nicht aufzufinden war, musste ich mich mit der Tuba zufrieden geben. Ein Glücksfall.

Mein Instrument ist das schönste im Orchester, weil...

glänzende Figur, genügend Platz für innere Werte und braucht oft nur wenige Worte.

Mein Instrument nervt mich manchmal ganz fürchterlich, weil...

ich spätestens beim gleichzeitigen Transport von Basstuba, Kontrabass-Tuba und zugehörigen Dämpfern an meine physischen Grenzen gerate. Da muss man sich etwas mehr Zeit gönnen, um nicht schon vor dem ersten Ton außer Atem zu sein. Übrigens, um die Proportionen besser einschätzen zu können – auf dem Bild halte ich die kleinere Basstuba.

Die drei Werke, bei denen mein Instrument am schönsten zur Geltung kommt, sind...

Werke, in denen sich der Tubist in äußerst sensible und gänzlich vorurteilsfreie Rollen einfühlen darf. Sei es der Riesenwurm aus Wagners „Rheingold“, der träge Ochsenkarren aus „Bilder einer Ausstellung“, der betrunkene Wirtshausmusiker in Bergs „Wozzeck“ oder gar der faule Bär, dem ein gewisser Herr Lothar gleich ein ganzes Konzert gewidmet hat.

Wenn ich im Orchester das alleinige Sagen hätte, würde ich…

nicht mehr ruhig schlafen können.

Der beste Witz zu meinem Instrument:

Eine kleine Anekdote aus meinem Leben: Da rumpelte ich mit meinem Tubakoffer durch eine kopfsteingepflasterte Altstadt Bayerns, als der erstaunte Sohn seine Mutter fragte: „Mama, warum hat der Mann eine Mülltonne dabei?“

Am Sonntag, 11 Uhr, und Montag, 20 Uhr, gibt das Staatsorchester in der Stadthalle Braunschweig sein zweites Sinfoniekonzert mit Witold Lutoslawskis Konzert für Orchester und Sergej Prokofjews Ballettmusik zu „Romeo und Julia“.

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